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Eigenverbrauch planen mit Solarprognose – Tagesablauf optimieren

Eigenverbrauch planen mit Solarprognose: Tagesablauf-Beispiele, Szenarien für sonnige & bewölkte Tage, Checkliste für PV-Besitzer. Jetzt Ertrag nutzen.

~14 Min. Lesezeit Von Solantiq Redaktion

Eigenverbrauch planen mit Solarprognose – Tagesablauf optimieren

Warum Solarprognosen Ihren Eigenverbrauch steigern

Das Grundproblem jeder Solaranlage: Sie erzeugt den meisten Strom zwischen 10 und 16 Uhr – genau dann, wenn viele Haushalte wenig verbrauchen. Abends steigt der Bedarf, doch die Sonne ist weg. Ohne Planung fließen 65–75 % Ihres Solarstroms ins Netz – für magere 7,78 ct/kWh statt 32 ct, die Sie für Netzstrom zahlen.

Die Lösung: Mit einer Solarprognose wissen Sie morgens bereits, wie viel Strom Ihre Anlage heute liefern wird. Sie planen Ihren Tagesablauf danach und nutzen die Energie genau dann, wenn sie da ist.

Was eine Solarprognose zeigt

Eine Solarprognose liefert Ihnen für jeden Tag:

  • Erwarteter Gesamtertrag in kWh (z. B. 35 kWh an einem sonnigen Sommertag)
  • Stündlicher Verlauf – wann die Spitzenleistung erreicht wird
  • Wettereinfluss – Wolken, Regen oder Schnee berücksichtigt
  • Standortbezug – Ausrichtung, Neigung und Verschattung Ihrer Anlage

Damit können Sie gezielt entscheiden: Welches Gerät schalte ich wann ein?

Typische Geräte und ihr Verbrauch

Bevor Sie Ihren Tag planen, sollten Sie wissen, welche Geräte wie viel Strom benötigen:

GerätVerbrauch pro DurchgangTypische LaufzeitVerschiebbar?
Waschmaschine2 kWh1,5–2 StundenJa (Timer)
Trockner3 kWh1,5–2,5 StundenJa (Timer)
Spülmaschine1,5 kWh1,5–2 StundenJa (Timer)
Wallbox (E-Auto)11 kW Dauerleistung2–6 StundenJa (Ladeplan)
Wärmepumpe3–5 kW DauerleistungvariabelTeilweise (Puffer)
Herd / Backofen2–3 kWh0,5–1,5 StundenBedingt
Grundlast (Kühlschrank, Router etc.)0,3–0,5 kW dauerhaft24 StundenNein

Szenario 1: Sonniger Tag – Geräte auf die Mittagsstunden konzentrieren

Prognose: Klarer Himmel, 35–40 kWh Tagesertrag bei einer 10-kWp-Anlage.

An einem sonnigen Tag produziert Ihre Anlage zwischen 10 und 16 Uhr reichlich Überschuss. Das ist Ihr Zeitfenster, um möglichst viel Strom selbst zu verbrauchen.

Optimierter Tagesablauf – Sonniger Tag

UhrzeitSolarleistungAktionVerbrauch
06:00–09:000,5–3 kW (ansteigend)Grundlast, Frühstück0,5 kW
09:00–10:003–5 kWWaschmaschine starten (Timer auf 09:00)1,5 kW
10:00–12:005–7 kWSpülmaschine starten, Speicher lädt1,5 kW
11:00–14:006–8 kW (Spitze)Wallbox: E-Auto laden (Überschussladen)3–7 kW
13:00–15:006–7 kWTrockner starten2 kW
14:00–16:004–6 kWWärmepumpe: Warmwasser aufheizen3 kW
16:00–20:001–3 kW (abnehmend)Kochen, Speicher übernimmt1–2 kW
20:00–06:000 kWSpeicher versorgt Grundlast0,3–0,5 kW

Ergebnis: Sie nutzen an einem sonnigen Tag 60–70 % des erzeugten Stroms selbst (ohne Speicher) oder 80–90 % (mit Speicher). Die Einspeisemenge sinkt auf ein Minimum.

Szenario 2: Bewölkter Tag – Speicher nutzen, Großverbraucher verschieben

Prognose: Überwiegend bewölkt, 8–15 kWh Tagesertrag bei einer 10-kWp-Anlage.

An einem bewölkten Tag liefert Ihre Anlage nur 20–40 % der Nennleistung. Hier lautet die Strategie: Grundverbrauch decken, Speicher schonen und Großverbraucher verschieben.

Optimierter Tagesablauf – Bewölkter Tag

UhrzeitSolarleistungAktionVerbrauch
06:00–09:000–1 kWGrundlast, Speicher liefert Rest0,5 kW
09:00–12:001–3 kWNur Grundlast, Solarstrom reicht knapp0,5 kW
11:00–14:002–4 kW (diffuse Spitze)Ein Gerät starten: Waschmaschine ODER Spülmaschine1,5 kW
14:00–17:001–3 kWSpeicher nachladen (falls Überschuss)0,5 kW
17:00–06:000 kWSpeicher versorgt Abend/Nacht-Grundlast0,3–0,5 kW

Was Sie verschieben sollten:

  • Trockner: Auf den nächsten sonnigen Tag warten (3 kWh Ersparnis)
  • Wallbox: Nur laden, wenn unbedingt nötig – sonst auf sonnigen Tag verschieben
  • Wärmepumpe: Warmwasserspeicher reicht meist einen Tag – Aufheizen verschieben

Ergebnis: Auch an bewölkten Tagen erreichen Sie 50–60 % Eigenverbrauch (mit Speicher), weil Sie bewusst nur Grundverbraucher laufen lassen und den Speicher für den Abend aufsparen.

Szenario 3: PV + Speicher + Wallbox – Optimales Laden planen

Situation: 10-kWp-Anlage, 10-kWh-Speicher, 11-kW-Wallbox, E-Auto mit 60-kWh-Akku.

Die Kombination aus PV-Anlage, Speicher und Wallbox bietet das größte Optimierungspotenzial – aber auch die größte Herausforderung bei der Planung. Die Solarprognose ist hier besonders wertvoll.

Ladestrategie nach Prognose

KriteriumSonniger Tag (über 30 kWh)Bewölkter Tag (10–20 kWh)Regentag (unter 10 kWh)
Wallbox-ModusÜberschussladen (100 % Solar)Teilladen (Solar + Netz-Minimum)Nicht laden oder Nachtstrom
Ladezeit E-Auto10:00–16:00 Uhr11:00–14:00 Uhr (nur Spitze)Verschieben oder 22:00–06:00
Speicher-PrioritätNiedrig (genug Solar für alles)Mittel (Speicher für Abend aufsparen)Hoch (Speicher nur für Grundlast)
GroßverbraucherAlle Geräte laufen lassenMax. 1 GroßverbraucherKeine Großverbraucher
Erwarteter EV-Anteil70–85 % Solar30–50 % Solar0–10 % Solar

Praxis-Beispiel: Sonniger Werktag mit E-Auto

  1. 07:00 – Prognose prüfen: 38 kWh erwartet, Sonne ab 09:00.
  2. 08:00 – E-Auto anschließen: Wallbox auf Überschussladen stellen.
  3. 09:00 – Waschmaschine starten: Timer war auf 09:00 gestellt.
  4. 10:00 – Wallbox startet automatisch: Überschuss reicht für 3–5 kW Ladeleistung.
  5. 11:00 – Spülmaschine starten: Solarleistung auf 7 kW, genug für beides.
  6. 12:00–15:00 – Speicher lädt voll: Wallbox und Speicher teilen sich den Überschuss.
  7. 14:00 – Trockner starten: Noch 5 kW Solarleistung verfügbar.
  8. 16:00 – E-Auto hat 25 kWh geladen: Reicht für 150 km, rein solar.
  9. 18:00–22:00 – Speicher liefert: 8 kWh für Kochen, Licht, Unterhaltung.

Ergebnis: 85 % Eigenverbrauch, E-Auto für 0 ct/kWh geladen, Speicher versorgt den Abend.

Eigenverbrauch im Vergleich: Was bringt Planung wirklich?

OptimierungsstufeEigenverbrauchJährliche Ersparnis*Investition
Ohne Planung (Standardbetrieb)25–35 %BasisKeine
Mit Zeitverschiebung (Prognose nutzen)35–45 %+150–300 EURKeine (kostenlos)
Mit Batteriespeicher60–80 %+500–800 EUR5.000–10.000 EUR
Speicher + smarte Prognose-Planung70–85 %+600–1.000 EUR5.000–10.000 EUR

Annahmen: 10-kWp-Anlage, 9.500 kWh Jahresertrag, Strompreis 32 ct/kWh, Einspeisevergütung 7,78 ct/kWh.

Die Tabelle zeigt: Schon die kostenlose Zeitverschiebung bringt 150–300 EUR mehr pro Jahr. In Kombination mit einem Speicher und prognosebasierter Planung erreichen Sie die maximale Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage.

Checkliste: Morgen-Routine für PV-Besitzer

Mit dieser täglichen Routine holen Sie das Maximum aus Ihrer Solaranlage:

Jeden Morgen (2 Minuten)

  • Solarprognose prüfen: Wie viel kWh liefert die Anlage heute? Jetzt Prognose abrufen →
  • Wetter-Typ einordnen: Sonnig (über 30 kWh), teilweise bewölkt (15–30 kWh) oder bedeckt (unter 15 kWh)?
  • Geräte-Plan festlegen: Welche Großverbraucher laufen heute?
  • Timer stellen: Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine auf Mittagsstunden programmieren
  • Wallbox-Modus wählen: Überschussladen an sonnigen Tagen, Nachtladen an Regentagen

Wöchentliche Planung (5 Minuten)

  • Wochenprognose prüfen: Sonnige Tage für Großverbraucher vormerken
  • Waschtage planen: Wäsche auf sonnige Tage legen
  • E-Auto-Ladung planen: Reicht der Solarstrom für die Woche?
  • Speicher-Check: Funktioniert der Speicher optimal? Ladezyklen im Normalbereich?

Saisonale Anpassungen

  • Frühling/Herbst: Mittagsfenster kürzer (11:00–15:00), Geräte enger takten
  • Sommer: Langes Erzeugungsfenster (08:00–20:00), alle Geräte nacheinander möglich
  • Winter: Wenig Ertrag, Großverbraucher nur an sonnigen Tagen, Speicher schonen

Prognosebasierte Planung in der Praxis: Tipps und Tricks

Tipp 1: Geräte staffeln, nicht parallel schalten

Ihre Anlage hat eine begrenzte Spitzenleistung. Wenn Sie gleichzeitig Waschmaschine (1,5 kW), Trockner (2 kW), Spülmaschine (1,5 kW) und Wallbox (11 kW) einschalten, ziehen Sie 16 kW – mehr als Ihre 10-kWp-Anlage liefert. Der Rest kommt aus dem Netz.

Besser: Geräte nacheinander laufen lassen und den Solarstrom über den ganzen Tag verteilen.

Tipp 2: Speicher nicht zu früh entladen

Wenn Ihre Prognose einen bewölkten Tag zeigt, lassen Sie den Speicher morgens nicht für den Trockner laufen. Sparen Sie die Kapazität für den Abend, wenn kein Solarstrom mehr fließt. Großverbraucher nur direkt mit Solarstrom betreiben.

Tipp 3: Wärmepumpe als thermischen Speicher nutzen

Eine Wärmepumpe mit Pufferspeicher kann Mittags-Solarstrom in Wärme umwandeln und für den Abend speichern. Programmieren Sie die Warmwasseraufbereitung auf die Mittagsstunden (12:00–15:00). Mehr dazu in unserem Guide Wallbox mit Solaranlage.

Tipp 4: Wochen-Vorausplanung nutzen

Schauen Sie nicht nur die Tagesprognose an, sondern planen Sie die ganze Woche:

  • Montag bewölkt, Dienstag sonnig? Wäsche auf Dienstag verschieben.
  • Mittwoch Regen, Donnerstag klar? E-Auto am Donnerstag vollladen.
  • Wochenende sonnig? Perfekt für energieintensive Hausarbeit.

Eigenverbrauch weiter steigern: Nächste Schritte

Sie nutzen bereits die Solarprognose für Ihre Tagesplanung? Diese Maßnahmen bringen noch mehr:

  1. Batteriespeicher nachrüsten: Steigert den Eigenverbrauch von 35–45 % auf 60–80 %. Alle Details im Guide Photovoltaik mit Speicher.
  2. Wallbox installieren: E-Auto mit Überschuss-Solarstrom laden und Eigenverbrauch weiter erhöhen. Mehr dazu unter Wallbox mit Solaranlage.
  3. Energiemanagement-System (HEMS): Automatisiert die Optimierung und steuert Speicher, Wallbox und Wärmepumpe prognosebasiert.
  4. Umfassend optimieren: Unser Guide Eigenverbrauch optimieren zeigt alle 10 Maßnahmen im Detail.

Häufige Fragen zum Eigenverbrauch planen mit Solarprognose

Wie genau ist eine Solarprognose?

Moderne Solarprognosen erreichen eine Genauigkeit von 85–95 % für den jeweiligen Tag. Die Vorhersage basiert auf Wetterdaten, Anlagenleistung und Standort. Je kürzer der Prognosezeitraum, desto genauer die Vorhersage. Für die Tagesplanung Ihrer Geräte reicht die Genauigkeit sehr gut aus.

Kann ich den Eigenverbrauch wirklich nur durch Planung steigern?

Ja – und zwar erheblich. Allein durch zeitliches Verschieben von Großverbrauchern in die Mittagsstunden steigern Sie den Eigenverbrauch von 25–35 % auf 35–45 %. Das entspricht bei einer 10-kWp-Anlage einer zusätzlichen Ersparnis von 150–300 EUR pro Jahr – ohne einen Cent zu investieren.

Welche Geräte eignen sich am besten zum Verschieben?

Besonders geeignet sind Geräte mit hohem Verbrauch und flexibler Laufzeit:

  • Waschmaschine (2 kWh) – Timer auf 10:00–11:00 Uhr
  • Trockner (3 kWh) – direkt nach der Waschmaschine, ca. 12:00–14:00 Uhr
  • Spülmaschine (1,5 kWh) – Timer auf Mittagszeit
  • Wallbox (11 kW) – Überschussladen ab 10:00 Uhr
  • Wärmepumpe (3–5 kW) – Warmwasser auf 12:00–15:00 Uhr programmieren

Brauche ich eine App für die Solarprognose?

Eine App ist hilfreich, aber nicht zwingend nötig. Viele Wechselrichter-Portale (Fronius, SMA, Huawei) zeigen Prognosen an. Der Solantiq Prognose-Rechner bietet Ihnen eine standortbezogene Vorhersage direkt im Browser – kostenlos und ohne Installation. Jetzt ausprobieren →

Wie plane ich meinen Verbrauch an bewölkten Tagen?

An bewölkten Tagen erzeugt Ihre Anlage nur 20–40 % der Nennleistung. Die Strategie:

  1. Nur einen Großverbraucher zur Mittagsspitze laufen lassen
  2. Speicher für den Abend aufsparen – nicht für Großverbraucher nutzen
  3. Trockner und Wallbox auf den nächsten sonnigen Tag verschieben
  4. Die Solarprognose zeigt Ihnen, wann der nächste gute Tag kommt

Was bringt die Kombination aus Speicher und Prognose-Planung?

Ein Speicher allein steigert den Eigenverbrauch auf 60–80 %. Durch zusätzliche prognosebasierte Planung erreichen Sie 70–85 %, da Sie den Speicher gezielter einsetzen und Großverbraucher optimal timen. Das spart zusätzlich 100–200 EUR pro Jahr gegenüber ungesteuertem Speicherbetrieb.

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