Eigenverbrauch planen mit Solarprognose – Tagesablauf optimieren
Eigenverbrauch planen mit Solarprognose: Tagesablauf-Beispiele, Szenarien für sonnige & bewölkte Tage, Checkliste für PV-Besitzer. Jetzt Ertrag nutzen.
Eigenverbrauch planen mit Solarprognose – Tagesablauf optimieren
Warum Solarprognosen Ihren Eigenverbrauch steigern
Das Grundproblem jeder Solaranlage: Sie erzeugt den meisten Strom zwischen 10 und 16 Uhr – genau dann, wenn viele Haushalte wenig verbrauchen. Abends steigt der Bedarf, doch die Sonne ist weg. Ohne Planung fließen 65–75 % Ihres Solarstroms ins Netz – für magere 7,78 ct/kWh statt 32 ct, die Sie für Netzstrom zahlen.
Die Lösung: Mit einer Solarprognose wissen Sie morgens bereits, wie viel Strom Ihre Anlage heute liefern wird. Sie planen Ihren Tagesablauf danach und nutzen die Energie genau dann, wenn sie da ist.
Was eine Solarprognose zeigt
Eine Solarprognose liefert Ihnen für jeden Tag:
- Erwarteter Gesamtertrag in kWh (z. B. 35 kWh an einem sonnigen Sommertag)
- Stündlicher Verlauf – wann die Spitzenleistung erreicht wird
- Wettereinfluss – Wolken, Regen oder Schnee berücksichtigt
- Standortbezug – Ausrichtung, Neigung und Verschattung Ihrer Anlage
Damit können Sie gezielt entscheiden: Welches Gerät schalte ich wann ein?
Typische Geräte und ihr Verbrauch
Bevor Sie Ihren Tag planen, sollten Sie wissen, welche Geräte wie viel Strom benötigen:
| Gerät | Verbrauch pro Durchgang | Typische Laufzeit | Verschiebbar? |
|---|---|---|---|
| Waschmaschine | 2 kWh | 1,5–2 Stunden | Ja (Timer) |
| Trockner | 3 kWh | 1,5–2,5 Stunden | Ja (Timer) |
| Spülmaschine | 1,5 kWh | 1,5–2 Stunden | Ja (Timer) |
| Wallbox (E-Auto) | 11 kW Dauerleistung | 2–6 Stunden | Ja (Ladeplan) |
| Wärmepumpe | 3–5 kW Dauerleistung | variabel | Teilweise (Puffer) |
| Herd / Backofen | 2–3 kWh | 0,5–1,5 Stunden | Bedingt |
| Grundlast (Kühlschrank, Router etc.) | 0,3–0,5 kW dauerhaft | 24 Stunden | Nein |
Szenario 1: Sonniger Tag – Geräte auf die Mittagsstunden konzentrieren
Prognose: Klarer Himmel, 35–40 kWh Tagesertrag bei einer 10-kWp-Anlage.
An einem sonnigen Tag produziert Ihre Anlage zwischen 10 und 16 Uhr reichlich Überschuss. Das ist Ihr Zeitfenster, um möglichst viel Strom selbst zu verbrauchen.
Optimierter Tagesablauf – Sonniger Tag
| Uhrzeit | Solarleistung | Aktion | Verbrauch |
|---|---|---|---|
| 06:00–09:00 | 0,5–3 kW (ansteigend) | Grundlast, Frühstück | 0,5 kW |
| 09:00–10:00 | 3–5 kW | Waschmaschine starten (Timer auf 09:00) | 1,5 kW |
| 10:00–12:00 | 5–7 kW | Spülmaschine starten, Speicher lädt | 1,5 kW |
| 11:00–14:00 | 6–8 kW (Spitze) | Wallbox: E-Auto laden (Überschussladen) | 3–7 kW |
| 13:00–15:00 | 6–7 kW | Trockner starten | 2 kW |
| 14:00–16:00 | 4–6 kW | Wärmepumpe: Warmwasser aufheizen | 3 kW |
| 16:00–20:00 | 1–3 kW (abnehmend) | Kochen, Speicher übernimmt | 1–2 kW |
| 20:00–06:00 | 0 kW | Speicher versorgt Grundlast | 0,3–0,5 kW |
Ergebnis: Sie nutzen an einem sonnigen Tag 60–70 % des erzeugten Stroms selbst (ohne Speicher) oder 80–90 % (mit Speicher). Die Einspeisemenge sinkt auf ein Minimum.
Szenario 2: Bewölkter Tag – Speicher nutzen, Großverbraucher verschieben
Prognose: Überwiegend bewölkt, 8–15 kWh Tagesertrag bei einer 10-kWp-Anlage.
An einem bewölkten Tag liefert Ihre Anlage nur 20–40 % der Nennleistung. Hier lautet die Strategie: Grundverbrauch decken, Speicher schonen und Großverbraucher verschieben.
Optimierter Tagesablauf – Bewölkter Tag
| Uhrzeit | Solarleistung | Aktion | Verbrauch |
|---|---|---|---|
| 06:00–09:00 | 0–1 kW | Grundlast, Speicher liefert Rest | 0,5 kW |
| 09:00–12:00 | 1–3 kW | Nur Grundlast, Solarstrom reicht knapp | 0,5 kW |
| 11:00–14:00 | 2–4 kW (diffuse Spitze) | Ein Gerät starten: Waschmaschine ODER Spülmaschine | 1,5 kW |
| 14:00–17:00 | 1–3 kW | Speicher nachladen (falls Überschuss) | 0,5 kW |
| 17:00–06:00 | 0 kW | Speicher versorgt Abend/Nacht-Grundlast | 0,3–0,5 kW |
Was Sie verschieben sollten:
- Trockner: Auf den nächsten sonnigen Tag warten (3 kWh Ersparnis)
- Wallbox: Nur laden, wenn unbedingt nötig – sonst auf sonnigen Tag verschieben
- Wärmepumpe: Warmwasserspeicher reicht meist einen Tag – Aufheizen verschieben
Ergebnis: Auch an bewölkten Tagen erreichen Sie 50–60 % Eigenverbrauch (mit Speicher), weil Sie bewusst nur Grundverbraucher laufen lassen und den Speicher für den Abend aufsparen.
Szenario 3: PV + Speicher + Wallbox – Optimales Laden planen
Situation: 10-kWp-Anlage, 10-kWh-Speicher, 11-kW-Wallbox, E-Auto mit 60-kWh-Akku.
Die Kombination aus PV-Anlage, Speicher und Wallbox bietet das größte Optimierungspotenzial – aber auch die größte Herausforderung bei der Planung. Die Solarprognose ist hier besonders wertvoll.
Ladestrategie nach Prognose
| Kriterium | Sonniger Tag (über 30 kWh) | Bewölkter Tag (10–20 kWh) | Regentag (unter 10 kWh) |
|---|---|---|---|
| Wallbox-Modus | Überschussladen (100 % Solar) | Teilladen (Solar + Netz-Minimum) | Nicht laden oder Nachtstrom |
| Ladezeit E-Auto | 10:00–16:00 Uhr | 11:00–14:00 Uhr (nur Spitze) | Verschieben oder 22:00–06:00 |
| Speicher-Priorität | Niedrig (genug Solar für alles) | Mittel (Speicher für Abend aufsparen) | Hoch (Speicher nur für Grundlast) |
| Großverbraucher | Alle Geräte laufen lassen | Max. 1 Großverbraucher | Keine Großverbraucher |
| Erwarteter EV-Anteil | 70–85 % Solar | 30–50 % Solar | 0–10 % Solar |
Praxis-Beispiel: Sonniger Werktag mit E-Auto
- 07:00 – Prognose prüfen: 38 kWh erwartet, Sonne ab 09:00.
- 08:00 – E-Auto anschließen: Wallbox auf Überschussladen stellen.
- 09:00 – Waschmaschine starten: Timer war auf 09:00 gestellt.
- 10:00 – Wallbox startet automatisch: Überschuss reicht für 3–5 kW Ladeleistung.
- 11:00 – Spülmaschine starten: Solarleistung auf 7 kW, genug für beides.
- 12:00–15:00 – Speicher lädt voll: Wallbox und Speicher teilen sich den Überschuss.
- 14:00 – Trockner starten: Noch 5 kW Solarleistung verfügbar.
- 16:00 – E-Auto hat 25 kWh geladen: Reicht für 150 km, rein solar.
- 18:00–22:00 – Speicher liefert: 8 kWh für Kochen, Licht, Unterhaltung.
Ergebnis: 85 % Eigenverbrauch, E-Auto für 0 ct/kWh geladen, Speicher versorgt den Abend.
Eigenverbrauch im Vergleich: Was bringt Planung wirklich?
| Optimierungsstufe | Eigenverbrauch | Jährliche Ersparnis* | Investition |
|---|---|---|---|
| Ohne Planung (Standardbetrieb) | 25–35 % | Basis | Keine |
| Mit Zeitverschiebung (Prognose nutzen) | 35–45 % | +150–300 EUR | Keine (kostenlos) |
| Mit Batteriespeicher | 60–80 % | +500–800 EUR | 5.000–10.000 EUR |
| Speicher + smarte Prognose-Planung | 70–85 % | +600–1.000 EUR | 5.000–10.000 EUR |
Annahmen: 10-kWp-Anlage, 9.500 kWh Jahresertrag, Strompreis 32 ct/kWh, Einspeisevergütung 7,78 ct/kWh.
Die Tabelle zeigt: Schon die kostenlose Zeitverschiebung bringt 150–300 EUR mehr pro Jahr. In Kombination mit einem Speicher und prognosebasierter Planung erreichen Sie die maximale Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage.
Checkliste: Morgen-Routine für PV-Besitzer
Mit dieser täglichen Routine holen Sie das Maximum aus Ihrer Solaranlage:
Jeden Morgen (2 Minuten)
- Solarprognose prüfen: Wie viel kWh liefert die Anlage heute? Jetzt Prognose abrufen →
- Wetter-Typ einordnen: Sonnig (über 30 kWh), teilweise bewölkt (15–30 kWh) oder bedeckt (unter 15 kWh)?
- Geräte-Plan festlegen: Welche Großverbraucher laufen heute?
- Timer stellen: Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine auf Mittagsstunden programmieren
- Wallbox-Modus wählen: Überschussladen an sonnigen Tagen, Nachtladen an Regentagen
Wöchentliche Planung (5 Minuten)
- Wochenprognose prüfen: Sonnige Tage für Großverbraucher vormerken
- Waschtage planen: Wäsche auf sonnige Tage legen
- E-Auto-Ladung planen: Reicht der Solarstrom für die Woche?
- Speicher-Check: Funktioniert der Speicher optimal? Ladezyklen im Normalbereich?
Saisonale Anpassungen
- Frühling/Herbst: Mittagsfenster kürzer (11:00–15:00), Geräte enger takten
- Sommer: Langes Erzeugungsfenster (08:00–20:00), alle Geräte nacheinander möglich
- Winter: Wenig Ertrag, Großverbraucher nur an sonnigen Tagen, Speicher schonen
Prognosebasierte Planung in der Praxis: Tipps und Tricks
Tipp 1: Geräte staffeln, nicht parallel schalten
Ihre Anlage hat eine begrenzte Spitzenleistung. Wenn Sie gleichzeitig Waschmaschine (1,5 kW), Trockner (2 kW), Spülmaschine (1,5 kW) und Wallbox (11 kW) einschalten, ziehen Sie 16 kW – mehr als Ihre 10-kWp-Anlage liefert. Der Rest kommt aus dem Netz.
Besser: Geräte nacheinander laufen lassen und den Solarstrom über den ganzen Tag verteilen.
Tipp 2: Speicher nicht zu früh entladen
Wenn Ihre Prognose einen bewölkten Tag zeigt, lassen Sie den Speicher morgens nicht für den Trockner laufen. Sparen Sie die Kapazität für den Abend, wenn kein Solarstrom mehr fließt. Großverbraucher nur direkt mit Solarstrom betreiben.
Tipp 3: Wärmepumpe als thermischen Speicher nutzen
Eine Wärmepumpe mit Pufferspeicher kann Mittags-Solarstrom in Wärme umwandeln und für den Abend speichern. Programmieren Sie die Warmwasseraufbereitung auf die Mittagsstunden (12:00–15:00). Mehr dazu in unserem Guide Wallbox mit Solaranlage.
Tipp 4: Wochen-Vorausplanung nutzen
Schauen Sie nicht nur die Tagesprognose an, sondern planen Sie die ganze Woche:
- Montag bewölkt, Dienstag sonnig? Wäsche auf Dienstag verschieben.
- Mittwoch Regen, Donnerstag klar? E-Auto am Donnerstag vollladen.
- Wochenende sonnig? Perfekt für energieintensive Hausarbeit.
Eigenverbrauch weiter steigern: Nächste Schritte
Sie nutzen bereits die Solarprognose für Ihre Tagesplanung? Diese Maßnahmen bringen noch mehr:
- Batteriespeicher nachrüsten: Steigert den Eigenverbrauch von 35–45 % auf 60–80 %. Alle Details im Guide Photovoltaik mit Speicher.
- Wallbox installieren: E-Auto mit Überschuss-Solarstrom laden und Eigenverbrauch weiter erhöhen. Mehr dazu unter Wallbox mit Solaranlage.
- Energiemanagement-System (HEMS): Automatisiert die Optimierung und steuert Speicher, Wallbox und Wärmepumpe prognosebasiert.
- Umfassend optimieren: Unser Guide Eigenverbrauch optimieren zeigt alle 10 Maßnahmen im Detail.
Häufige Fragen zum Eigenverbrauch planen mit Solarprognose
Wie genau ist eine Solarprognose?
Moderne Solarprognosen erreichen eine Genauigkeit von 85–95 % für den jeweiligen Tag. Die Vorhersage basiert auf Wetterdaten, Anlagenleistung und Standort. Je kürzer der Prognosezeitraum, desto genauer die Vorhersage. Für die Tagesplanung Ihrer Geräte reicht die Genauigkeit sehr gut aus.
Kann ich den Eigenverbrauch wirklich nur durch Planung steigern?
Ja – und zwar erheblich. Allein durch zeitliches Verschieben von Großverbrauchern in die Mittagsstunden steigern Sie den Eigenverbrauch von 25–35 % auf 35–45 %. Das entspricht bei einer 10-kWp-Anlage einer zusätzlichen Ersparnis von 150–300 EUR pro Jahr – ohne einen Cent zu investieren.
Welche Geräte eignen sich am besten zum Verschieben?
Besonders geeignet sind Geräte mit hohem Verbrauch und flexibler Laufzeit:
- Waschmaschine (2 kWh) – Timer auf 10:00–11:00 Uhr
- Trockner (3 kWh) – direkt nach der Waschmaschine, ca. 12:00–14:00 Uhr
- Spülmaschine (1,5 kWh) – Timer auf Mittagszeit
- Wallbox (11 kW) – Überschussladen ab 10:00 Uhr
- Wärmepumpe (3–5 kW) – Warmwasser auf 12:00–15:00 Uhr programmieren
Brauche ich eine App für die Solarprognose?
Eine App ist hilfreich, aber nicht zwingend nötig. Viele Wechselrichter-Portale (Fronius, SMA, Huawei) zeigen Prognosen an. Der Solantiq Prognose-Rechner bietet Ihnen eine standortbezogene Vorhersage direkt im Browser – kostenlos und ohne Installation. Jetzt ausprobieren →
Wie plane ich meinen Verbrauch an bewölkten Tagen?
An bewölkten Tagen erzeugt Ihre Anlage nur 20–40 % der Nennleistung. Die Strategie:
- Nur einen Großverbraucher zur Mittagsspitze laufen lassen
- Speicher für den Abend aufsparen – nicht für Großverbraucher nutzen
- Trockner und Wallbox auf den nächsten sonnigen Tag verschieben
- Die Solarprognose zeigt Ihnen, wann der nächste gute Tag kommt
Was bringt die Kombination aus Speicher und Prognose-Planung?
Ein Speicher allein steigert den Eigenverbrauch auf 60–80 %. Durch zusätzliche prognosebasierte Planung erreichen Sie 70–85 %, da Sie den Speicher gezielter einsetzen und Großverbraucher optimal timen. Das spart zusätzlich 100–200 EUR pro Jahr gegenüber ungesteuertem Speicherbetrieb.
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