Contexagon Solantiq

Methodik & Berechnungsgrundlagen

Transparenz ist uns wichtig. Auf dieser Seite dokumentieren wir alle Berechnungsmethoden, Formeln, Datenquellen und Annahmen, die in unseren PV-Rechnern und Tools zum Einsatz kommen.

Letzte Aktualisierung: 29. Januar 2026 · Version 1.0

1. Datenquellen

Unsere Berechnungen basieren auf folgenden wissenschaftlich anerkannten Datenquellen:

PVGIS (Photovoltaic Geographical Information System)

Primäre Datenquelle für standortspezifische Einstrahlungs- und Ertragsdaten. PVGIS wird vom Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission betrieben und bereitgestellt.

  • API-Version: v5.2
  • Strahlungsdatenbank: PVGIS-SARAH2 (Satellitenbasiert, Abdeckung Europa/Afrika/Asien)
  • Zelltechnologie: Kristallines Silizium (crystSi)
  • Abgefragte Daten: Jahres- und Monatserträge (kWh/kWp), Globalstrahlung (kWh/m²), Standardabweichung
  • Quelle: re.jrc.ec.europa.eu/pvg_tools

Fraunhofer ISE

Referenzdaten für Moduleffizienzen, Technologievergleiche und aktuelle Marktdaten der deutschen Photovoltaik-Industrie.

Bundesnetzagentur / Marktstammdatenregister

Offizielle EEG-Einspeisevergütungssätze und regulatorische Rahmenbedingungen für Deutschland.

OpenStreetMap / Nominatim

Geocoding-Dienst zur Umwandlung von Postleitzahlen in geografische Koordinaten (Breitengrad, Längengrad) für die PVGIS-Abfrage.

2. Ertragsberechnung

Modulfläche und Systemleistung

Die Systemleistung wird aus der verfügbaren Dachfläche berechnet:

Nutzbare Fläche = Dachfläche × 0,80 (80 % Nutzungsanteil)

Modulanzahl = ⌊Nutzbare Fläche / 1,7 m²⌋

Systemleistung (kWp) = (Modulanzahl × Modulleistung) / 1000

Der Nutzungsanteil von 80 % berücksichtigt Dachfenster, Schornsteine, Gauben, Abstände zum Dachrand und Verschattungszonen. Die Standard-Modulfläche von 1,7 m² entspricht einem typischen 60-/72-Zellen-Modul aktueller Bauart.

Jahres- und Monatsertrag

Der spezifische Ertrag wird direkt von PVGIS für den konkreten Standort abgefragt. Die Berechnung berücksichtigt Neigung, Ausrichtung und Systemverluste:

Systemverluste (%) = 100 − Wechselrichter-Wirkungsgrad (%)

Jahresertrag (kWh) = PVGIS_E_y × Systemleistung × (1 − Verschattung/100)

Monatsertrag (kWh) = PVGIS_E_m × Systemleistung × (1 − Verschattung/100)

Spezifischer Ertrag (kWh/kWp) = Jahresertrag / Systemleistung

Dabei ist PVGIS_E_y der von PVGIS berechnete Jahresertrag pro kWp installierter Leistung und PVGIS_E_m der entsprechende Monatswert. Die Verschattung wird als gleichmäßiger prozentualer Abzug angewendet (Bereich: 0–50 %).

Mehrdachflächen-Berechnung

Bei mehreren Dachflächen wird jede Fläche separat mit eigener PVGIS-Abfrage (individuelle Neigung und Ausrichtung) berechnet. Die Ergebnisse werden anschließend aggregiert:

Gesamtleistung = Σ Flächenleistung_i

Gesamtertrag = Σ Flächenertrag_i

Monatsertrag[m] = Σ Flächenmonatsertrag_i[m]

3. Wirtschaftlichkeitsanalyse

Jährliche Einsparung (Jahr 1)

Eigenverbrauch (kWh) = Jahresertrag × Eigenverbrauchsanteil

Netzeinspeisung (kWh) = Jahresertrag − Eigenverbrauch

Einsparung Eigenverbrauch (€) = Eigenverbrauch × Strompreis

Einspeisevergütung (€) = Netzeinspeisung × Einspeisevergütungssatz

Jährliche Einsparung (€) = Einsparung Eigenverbrauch + Einspeisevergütung

25-Jahres-Projektion

Für jedes Jahr der 25-jährigen Betrachtungsperiode werden folgende Faktoren dynamisch berücksichtigt:

Degradationsfaktor = (1 − Degradationsrate)^(Jahr − 1)

Strompreis_Jahr = Strompreis × (1 + Strompreissteigerung)^(Jahr − 1)

Ertrag_Jahr = Jahresertrag × Degradationsfaktor

Einsparung_Jahr = f(Ertrag_Jahr, Strompreis_Jahr, Einspeisevergütung)

Kumulierte Einsparung = Σ Einsparung_i − Gesamtinvestition

Amortisationsdauer

Die Amortisationsdauer ist das erste Jahr, in dem die kumulierten Einsparungen die Gesamtinvestition übersteigen.

Kapitalwert (NPV)

NPV = −Gesamtinvestition + Σ (Einsparung_Jahr / (1 + Inflationsrate)^Jahr)

Der Diskontierungszinssatz entspricht der angenommenen Inflationsrate.

Rendite (ROI nach 25 Jahren)

ROI (%) = (Gesamteinsparung_25_Jahre / Gesamtinvestition) × 100

Gesamtinvestition

Gesamtinvestition = Anlagenkosten + (Batteriekapazität × Kosten_pro_kWh)

4. Degradationsmodell

Die Leistungsminderung der Solarmodule über die Lebensdauer wird mit einem exponentiellen Degradationsmodell berechnet:

Leistung_Jahr = Nennleistung × (1 − Degradationsrate)^(Jahr − 1)

Bei der Standard-Degradationsrate von 0,5 % pro Jahr beträgt die verbleibende Leistung nach 25 Jahren ca. 88,7 % der Ausgangsleistung (11,3 % Gesamtverlust). Dieser Wert entspricht den Garantiebedingungen der meisten Modulhersteller und den Messungen von Fraunhofer ISE.

5. Eigenverbrauch

Der Eigenverbrauchsanteil wird als fester Prozentsatz des Jahresertrags modelliert:

Eigenverbrauch (kWh) = Jahresertrag × Eigenverbrauchsanteil (%)

Netzeinspeisung (kWh) = Jahresertrag − Eigenverbrauch

Der Standardwert von 30 % entspricht einem typischen Haushalt ohne Batteriespeicher. Mit Speicher sind typischerweise 50–70 % erreichbar. Der Wert ist vom Nutzer im Bereich 0–100 % einstellbar.

6. Elektromobilität

Jährlicher EV-Verbrauch

Tagesverbrauch (kWh) = (Tagesstrecke / 100) × Effizienz (kWh/100 km)

Jahresverbrauch (kWh) = Tagesverbrauch × 365

Solar-Abdeckungsrate

Die Berechnung verwendet ladeverhaltensspezifische Basisraten:

Ladeverhalten Basisrate
Sofort laden25 %
Solar-optimiert65 %
Nachtladung5 %

Der tatsächlich solar gedeckte Anteil wird begrenzt durch die verfügbare Solarenergie nach Abzug des Haushaltseigenverbrauchs.

7. Wärmepumpe

Elektrischer Verbrauch

Elektrischer Jahresverbrauch = Wärmebedarf (kWh) / COP

Der Coefficient of Performance (COP) gibt das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetzter elektrischer Energie an. Standard: COP 3,5 (Bereich: 2,5–6,0).

Monatliche Verteilung

Der Wärmebedarf wird in Heizung (84 %) und Warmwasser (16 %) aufgeteilt. Die Heizlast folgt einer saisonalen Verteilung:

Monat JanFeb MärApr MaiJun JulAug SepOkt NovDez
Heizfaktor 0,150,14 0,110,06 0,020,00 0,000,00 0,020,08 0,120,14
Solar-Deckung 10 %15 % 25 %40 % 60 %80 % 80 %80 % 55 %30 % 15 %10 %

Die saisonalen Solar-Deckungsraten bilden den typischen Sommer/Winter-Mismatch ab: Im Sommer ist viel Solarstrom verfügbar, aber wenig Heizbedarf; im Winter umgekehrt.

8. CO₂-Einsparung

CO₂-Einsparung/Jahr (kg) = Jahresertrag (kWh) × CO₂-Faktor (g/kWh) / 1000

CO₂-Einsparung Lebensdauer (kg) = CO₂-Einsparung/Jahr × 25

Bäume-Äquivalent = CO₂-Einsparung/Jahr / 22 kg

Die CO₂-Faktoren berücksichtigen den länderspezifischen Strommix. Ein Baum absorbiert durchschnittlich ca. 22 kg CO₂ pro Jahr (Quelle: Umweltbundesamt).

9. Länderspezifische Parameter

Parameter Deutschland Österreich Schweiz
Strompreis 35 ct/kWh 30 ct/kWh 28 Rp/kWh
Einspeisevergütung 8,11 ct/kWh (≤10 kWp) 9,5 ct/kWh (marktbasiert) 10 Rp/kWh
CO₂-Faktor 380 g/kWh 120 g/kWh 30 g/kWh
Vergütungsmodell EEG 2024 (gestaffelt) ÖMAG (marktbasiert) Einmalvergütung (EIV)

Deutsche EEG-Staffelung: ≤10 kWp: 8,11 ct/kWh · >10–40 kWp: 7,03 ct/kWh · >40–100 kWp: 5,74 ct/kWh · >100 kWp: 5,74 ct/kWh.

Österreichs niedriger CO₂-Faktor (120 g/kWh) spiegelt den hohen Wasserkraftanteil wider. Die Schweiz hat mit 30 g/kWh den niedrigsten Wert durch den dominierenden Wasser- und Kernkraftanteil.

10. Annahmen & Standardwerte

Folgende Standardwerte werden verwendet, wenn der Nutzer keine eigenen Werte eingibt:

Parameter Standardwert Bereich
Modulleistung420 Wp100–600 Wp
Modulfläche1,7 m²fest
Nutzungsanteil Dachfläche80 %fest
Wechselrichter-Wirkungsgrad96 %85–99 %
Batteriekosten800 €/kWh200–2.000 €/kWh
Eigenverbrauchsanteil30 %0–100 %
Degradationsrate0,5 %/Jahr0–2 %/Jahr
Strompreissteigerung3 %/Jahr0–15 %/Jahr
Inflationsrate2 %0–10 %
Betrachtungszeitraum25 Jahrefest
Tagesstrecke (EV)40 km5–200 km
EV-Effizienz18 kWh/100 km10–40 kWh/100 km
Wärmebedarf15.000 kWh/Jahr1.000–100.000 kWh/Jahr
Wärmepumpen-COP3,52,5–6,0

11. Genauigkeit & Unsicherheit

Die berechneten Ergebnisse sind Schätzungen und unterliegen folgenden Unsicherheiten:

  • PVGIS-Strahlungsdaten: ±3–8 % je nach Standort und Jahr. PVGIS nutzt Satellitendaten (SARAH2), die über 10+ Jahre gemittelt werden.
  • Verschattung: Wird als pauschaler Prozentsatz modelliert, nicht als detaillierte Schattensimulation. Für komplexe Verschattungssituationen empfehlen wir eine Vor-Ort-Analyse.
  • Eigenverbrauch: Das vereinfachte Modell (fester Prozentsatz) bildet nicht das tatsächliche Lastprofil des Haushalts ab. Reale Werte können abweichen.
  • Finanzielle Projektion: Strompreise, Inflation und regulatorische Rahmenbedingungen können sich über 25 Jahre erheblich ändern. Die Projektion verwendet lineare Annahmen.
  • Wärmepumpe: Der COP variiert in der Realität mit der Außentemperatur (Jahresarbeitszahl). Das Modell verwendet einen festen Durchschnittswert.

Empfehlung: Unsere Berechnungen dienen als erste Orientierung. Für eine verbindliche Planung empfehlen wir die Beratung durch einen qualifizierten Fachbetrieb.

12. Validierung

Unsere Berechnungen werden wie folgt validiert:

  • PVGIS-Vergleich: Die Ertragsberechnungen werden regelmäßig gegen die offizielle PVGIS-Weboberfläche und Referenzstandorte gegengeprüft.
  • Branchenbenchmarks: Wirtschaftlichkeitsberechnungen werden mit veröffentlichten Daten des Fraunhofer ISE (Studie „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland") abgeglichen.
  • Automatisierte Tests: Umfangreiche Unit- und Integrationstests stellen die mathematische Korrektheit aller Formeln sicher.
  • Plausibilitätsprüfung: Ergebnisse werden gegen typische Werte für die DACH-Region geprüft (z. B. spezifischer Ertrag 800–1.200 kWh/kWp in Deutschland).

13. Versionierung

Änderungen an der Berechnungsmethodik werden hier dokumentiert:

Version Datum Änderung
1.0 Januar 2026 Erstveröffentlichung mit PVGIS v5.2, Wirtschaftlichkeitsanalyse, EV- und Wärmepumpen-Integration

14. Wissenschaftliche Referenzen

  1. European Commission, Joint Research Centre (JRC): Photovoltaic Geographical Information System (PVGIS). re.jrc.ec.europa.eu/pvg_tools
  2. Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland. ise.fraunhofer.de
  3. Bundesnetzagentur: EEG-Förderung und Einspeisevergütung. bundesnetzagentur.de
  4. Umweltbundesamt: CO₂-Emissionsfaktoren für den deutschen Strommix. umweltbundesamt.de
  5. BSW Solar (Bundesverband Solarwirtschaft): Marktdaten und Statistiken. solarwirtschaft.de

15. Kontakt & Rückfragen

Haben Sie Fragen zu unserer Methodik oder möchten Sie auf einen Fehler hinweisen? Wir freuen uns über Ihr Feedback:

  • E-Mail: kontakt@solantiq.example.com
  • Betreff: „Methodik-Rückfrage"

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