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Stromanbieter wechseln mit PV-Anlage – Das müssen Sie wissen

Stromanbieter wechseln mit Solaranlage: Volleinspeisung vs Teileinspeisung, Einspeisevergütung beim Wechsel, Schritt-für-Schritt Anleitung für PV-Besitzer.

~14 Min. Lesezeit Von Solantiq Redaktion

Stromanbieter wechseln mit PV-Anlage – Das müssen Sie wissen

Als Besitzer einer Photovoltaikanlage haben Sie beim Stromanbieterwechsel besondere Fragen: Was passiert mit der Einspeisevergütung? Welches Einspeisemodell ist besser? Und welcher Anbieter bietet die besten Konditionen für PV-Besitzer? Dieser Guide beantwortet alle Fragen.

Volleinspeisung vs. Teileinspeisung

Bevor Sie den Stromanbieter wechseln, sollten Sie Ihr Einspeisemodell kennen – es bestimmt, wie viel Reststrom Sie vom Netz beziehen.

Vergleich der Einspeisemodelle – EEG 2026 (Quelle: Bundesnetzagentur)
MerkmalVolleinspeisungTeileinspeisung
PrinzipGesamter Solarstrom wird ins Netz eingespeistEigenverbrauch + Überschuss-Einspeisung
Einspeisevergütung (≤10 kWp)12,87 ct/kWh8,03 ct/kWh (nur Überschuss)
Eigenverbrauch0%Typisch 25–70%
Strombezug100% vom AnbieterNur Restbedarf vom Anbieter
Stromkosten-ErsparnisKeine direkte ErsparnisHoch (30–40 ct/kWh gespart pro kWh Eigenverbrauch)
Wirtschaftlichkeit bei steigenden PreisenUnverändertSteigt mit Strompreisen
ModellwechselJährlich zum 1.1. möglichJährlich zum 1.1. möglich

Entscheidungshilfe: Welches Modell passt zu Ihnen?

Welches Einspeisemodell passt zu Ihnen?

Schritt 1 von max. 3

Wie hoch ist Ihr jährlicher Stromverbrauch?

Diese Empfehlung ist eine allgemeine Orientierungshilfe. Die optimale Entscheidung hängt von Ihren individuellen Umständen ab.

Netzbetreiber vs. Stromlieferant – Der wichtige Unterschied

Viele PV-Besitzer verwechseln Netzbetreiber und Stromlieferant. Das sind aber zwei völlig verschiedene Akteure:

Netzbetreiber und Stromlieferant sind zwei verschiedene Vertragspartner
MerkmalNetzbetreiberStromlieferant
AufgabeBetreibt das Stromnetz in Ihrer RegionLiefert Ihnen den Strom
BeispieleWestnetz, Bayernwerk, Stromnetz BerlinE.ON, Vattenfall, Tibber, Octopus
PV-RelevanzZahlt Einspeisevergütung, NetzanschlussLiefert Reststrom, berechnet Verbrauch
Wechsel möglich?Nein – regional festgelegtJa – frei wählbar
VertragEinspeisevertrag (automatisch via EEG)Stromliefervertrag (frei verhandelbar)

Was passiert mit der Einspeisevergütung beim Wechsel?

Die kurze Antwort: Nichts. Die EEG-Einspeisevergütung ist gesetzlich geregelt und wird vom Netzbetreiber gezahlt. Sie ist vom Stromliefervertrag vollständig unabhängig.

Garantien im Überblick

EEG-Einspeisevergütung ist unabhängig vom Stromlieferanten
AspektDetails
Vergütungsdauer20 Jahre ab Inbetriebnahme garantiert (EEG)
VergütungshöheZum Zeitpunkt der Inbetriebnahme festgeschrieben
AuszahlungMonatlich oder jährlich durch den Netzbetreiber
Bei AnbieterwechselKeine Änderung – Vergütung läuft weiter
Bei UmzugVergütung gebunden an Anlage und Standort, nicht an Person
Nach 20 JahrenPost-EEG: Sonstige Direktvermarktung oder Anschlussregelung

Anbieter-Vergleich für PV-Besitzer

PV-Besitzer haben einen geringeren Reststrombedarf – darauf sollte der Tarifvergleich optimiert werden.

Typischer Reststrombedarf bei Teileinspeisung
Ohne Speicher (30% EV)3.150 kWh/Jahr
Mit Speicher (60% EV)1.800 kWh/Jahr
Speicher + E-Auto (75% EV)1.125 kWh/Jahr
Volleinspeisung4.500 kWh/Jahr

Reststrombedarf bei 4.500 kWh Jahresverbrauch und 10 kWp Anlage (EV = Eigenverbrauchsquote)

Tariftypen im Vergleich

Festpreistarif

Wirkungsgrad
Fixpreis für 12-24 Monate
Vorteile
  • Planungssicherheit
  • Kein Risiko bei Preisschwankungen
  • Einfache Abrechnung
Nachteile
  • Keine Optimierung möglich
  • Oft höher als Durchschnitt
  • Kein Vorteil durch Speicher-Steuerung
Ideal für

PV-Besitzer ohne Speicher, die Planungssicherheit wollen

Dynamischer Tarif

Wirkungsgrad
Stündlich wechselnder Börsenstrompreis
Vorteile
  • Günstig bei flexiblem Verbrauch
  • Ideal mit Speicher+PV
  • Smart-Home-Optimierung möglich
Nachteile
  • Preisrisiko bei Spitzenzeiten
  • Smart Meter erforderlich
  • Aktives Management nötig
Ideal für

PV+Speicher-Besitzer mit Smart Home und flexiblem Verbrauch

Cloud-/Flatrate-Tarif

Wirkungsgrad
Monatliche Pauschale mit Stromkontingent
Vorteile
  • Planbare Monatskosten
  • Integration mit PV-System
  • Oft inkl. Monitoring-App
Nachteile
  • Oft teurer als Einzeltarif
  • An Hardware gebunden (z.B. sonnen)
  • Komplexe Vertragsbedingungen
Ideal für

Besitzer von Komplettsystemen (z.B. sonnen, SENEC)

Anbieter-Vergleich für PV-Haushalte

Anbietervergleich für PV-Besitzer (Stand: Januar 2026, Preise können variieren)
AnbieterTariftypGrundgebührArbeitspreisPV-VorteilSmart Meter
TibberDynamisch4,49 €/MonatBörsenpreis + AufschlagSpeicher-Steuerung via AppErforderlich
Octopus EnergyDynamisch0 €/MonatBörsenpreis + AufschlagAgile Tarif für PVErforderlich
aWATTarDynamisch0 €/MonatBörsenpreis + 2-3 ctAPI für Smart HomeErforderlich
sonnenFlatCloud/FlatAb 30 €/MonatInkl. Kontingentsonnen-Batterie IntegrationInkl. sonnen-Hardware
E.ON SolarCloudCloudAb 25 €/MonatInkl. KontingentVirtueller SpeicherNicht zwingend
NaturstromFestpreis8,90 €/MonatCa. 32 ct/kWh100% Ökostrom, BürgerstromNicht nötig
Stadtwerke (lokal)FestpreisVariabel30-35 ct/kWhRegionale Tarife, Service vor OrtJe nach Angebot

Vertragskündigungsfristen

Typische Kündigungsfristen nach Vertragstyp (Quelle: Verbraucherzentrale)
VertragstypKündigungsfristMindestlaufzeitSonderkündigung
Grundversorgung2 WochenKeineJederzeit
Sondertarif (12 Monate)1-3 Monate12 MonateBei Preiserhöhung
Sondertarif (24 Monate)1-3 Monate24 MonateBei Preiserhöhung
Dynamischer Tarif2-4 WochenMeist keineN/A (flexibel)
Cloud-/Flat-Tarif1-3 Monate12-24 MonatePrüfen Sie Vertragsbedingungen

Häufige Fehler beim Anbieterwechsel mit PV

Die häufigsten Fehler beim Anbieterwechsel als PV-Besitzer
Häufiger FehlerProblemRichtig machen
Gesamtverbrauch als VergleichsbasisÜberschätzt den Strombedarf vom NetzReststrombedarf berechnen (abzgl. Eigenverbrauch)
Angst um EinspeisevergütungVerhindert Wechsel zu besserem TarifVergütung wird vom Netzbetreiber gezahlt – unabhängig
Nur Arbeitspreis vergleichenGrundgebühr wird ignoriertGesamtkosten pro Jahr vergleichen
Cloud-Tarif ohne PrüfungOft teurer als normaler Tarif + PVJahreskosten beider Varianten berechnen
Dynamischer Tarif ohne Smart MeterKann nicht genutzt werdenSmart Meter Installation vorab klären
Zu lange VertragslaufzeitKein Wechsel bei besseren AngebotenMaximal 12 Monate Laufzeit wählen

Schritt-für-Schritt: Anbieterwechsel mit PV

Anbieterwechsel – Schritt für Schritt

Fortschritt: 0 / 5 Schritte0%

Prüfen Sie Kündigungsfrist, Mindestlaufzeit und Preisgarantie Ihres bestehenden Vertrags.

  • Kündigungsfrist notieren (meist 4-6 Wochen bei Grundversorgung, bis 3 Monate bei Sondertarifen)
  • Ende der Mindestlaufzeit prüfen
  • Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung prüfen
  • Aktuellen Verbrauch und Kosten notieren

Der Einspeisevertrag mit dem Netzbetreiber ist unabhängig vom Strombezugsvertrag.

Vergleichen Sie Anbieter unter Berücksichtigung Ihres PV-Eigenverbrauchsprofils.

Der neue Anbieter übernimmt in der Regel die Kündigung bei Ihrem alten Anbieter.

Nach dem Wechsel sollten Sie die korrekte Abrechnung prüfen.

Vergleichstools und Portale

Nutzen Sie diese Vergleichsportale, um den besten Tarif für Ihren Reststrombedarf zu finden:

Vergleichsportale für Stromtarife
PortalPV-FilterDynamische TarifeKostenlos
VerivoxJa (Verbrauchsangabe)JaJa
Check24Ja (Verbrauchsangabe)JaJa
Finanztip StromvergleichBegrenztJaJa
SwitchupNeinNeinJa (Wechselservice)

Solar-Ertragsrechner

Nutzen Sie unseren kostenlosen Rechner, um Ihr persönliches Solarpotenzial zu ermitteln.

FAQ – Stromanbieter wechseln mit Solaranlage

Verliere ich meine Einspeisevergütung beim Anbieterwechsel?

Nein. Die Einspeisevergütung nach dem EEG wird vom Netzbetreiber gezahlt, nicht vom Stromlieferanten. Ihr Einspeisevertrag und die 20-jährige Vergütungsgarantie bleiben vollständig unberührt. Der Stromlieferant ist nur für Ihren Reststrombezug zuständig.

Kann ich zwischen Volleinspeisung und Teileinspeisung wechseln?

Ja. Sie können jährlich zum 1. Januar zwischen den Modellen wechseln. Die Mitteilung an den Netzbetreiber muss vor dem 1. Dezember des Vorjahres erfolgen. Der Wechsel des Einspeisemodells ist unabhängig vom Stromlieferanten.

Lohnt sich ein dynamischer Tarif mit PV-Anlage?

Besonders mit PV + Speicher lohnt sich ein dynamischer Tarif: Sie können den Speicher in günstigen Stunden laden und in teuren Stunden Netzstrom vermeiden. Ohne Speicher ist der Vorteil geringer, da PV-Produktion und günstige Börsenstunden oft zusammenfallen (tagsüber). Details finden Sie in unserem Guide zu dynamischen Tarifen.

Was ist ein Cloud-Tarif und lohnt er sich?

Bei Cloud-Tarifen (z.B. sonnenFlat, E.ON SolarCloud) zahlen Sie eine monatliche Pauschale und erhalten ein Stromkontingent. Der „virtuelle Speicher” nutzt Überschüsse, die Sie nicht selbst verbrauchen. Achtung: Rechnen Sie genau nach – oft sind klassische Tarife + eigener Speicher günstiger. Cloud-Tarife lohnen vor allem bei herstellergebundenen Komplettsystemen.

Was passiert, wenn ich umziehe – Einspeisevergütung und Vertrag?

Die Einspeisevergütung ist an die Anlage und den Standort gebunden, nicht an Sie persönlich. Beim Verkauf des Hauses geht die Vergütung auf den neuen Eigentümer über. Ihren Stromliefervertrag können Sie bei Umzug mit Sonderkündigungsrecht kündigen (§ 41b EnWG).

Wie finde ich meinen Reststrombedarf heraus?

Prüfen Sie Ihre Jahresabrechnung: Der Zählerstand für Netzbezug (Verbrauchszähler) zeigt, wie viel Strom Sie tatsächlich vom Netz bezogen haben. Alternativ: Gesamtverbrauch × (1 − Eigenverbrauchsquote). Bei 4.500 kWh und 50% Eigenverbrauch sind es 2.250 kWh Restbedarf.


Quellen: Bundesnetzagentur, EEG 2024/2026, Verbraucherzentrale, BDEW Strompreisanalyse 2026

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