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Solarertrag berechnen: PVGIS vs. Wetterprognose vs. Monitoring

Solarertrag berechnen mit PVGIS, Wetterprognose oder Monitoring. Vergleich der Methoden nach Genauigkeit, Zeitraum und Einsatzzweck.

~16 Min. Lesezeit Von Solantiq Team

Solarertrag berechnen: PVGIS vs. Wetterprognose vs. Monitoring

Wer eine Photovoltaikanlage plant oder betreibt, stellt sich immer dieselbe Frage: Wie viel Strom wird meine Anlage erzeugen? Die Antwort haengt davon ab, welche Methode Sie nutzen — und in welcher Phase Sie sich befinden. In diesem Artikel vergleichen wir die drei wichtigsten Methoden zur Ertragsberechnung und zeigen Ihnen, wann welcher Ansatz der richtige ist.

Methode 1: PVGIS — Historische Satellitendaten

Was ist PVGIS?

Das Photovoltaic Geographical Information System (PVGIS) ist ein kostenloses Tool des Joint Research Centre (JRC) der Europaeischen Kommission. Es berechnet den erwarteten Solarertrag auf Basis historischer Einstrahlungsdaten, die ueber Satelliten erfasst wurden.

Wie funktioniert die Berechnung?

PVGIS greift auf ueber 15 Jahre Satellitendaten zurueck und berechnet daraus die mittlere jaehrliche Sonneneinstrahlung fuer jeden Standort in Europa. Die Berechnung beruecksichtigt:

  • Geografische Lage: Breitengrad, Laengengrad, Hoehe ueber dem Meeresspiegel
  • Einstrahlungsdaten: Direkte und diffuse Strahlung aus Satellitenmessungen
  • Modulparameter: Neigung, Ausrichtung, Technologie, Nennleistung
  • Systemverluste: Kabel, Wechselrichter, Verschattung, Temperatur, Degradation

Staerken und Grenzen

Staerken:

  • Hohe Genauigkeit fuer den Jahresertrag: plus/minus 5 bis 8 Prozent
  • Kostenlos und wissenschaftlich fundiert
  • Beruecksichtigt langfristige Klimamuster
  • Ideal fuer die Wirtschaftlichkeitsberechnung und Finanzierungsplanung

Grenzen:

  • Keine Aussage ueber einzelne Tage oder Wochen
  • Lokale Verschattung (Baeume, Nachbargebaeude) wird nicht erfasst
  • Historische Daten spiegeln nicht zwingend zukuenftige Wetterbedingungen wider
  • Keine Beruecksichtigung von Schneebedeckung oder Verschmutzung

Methode 2: Wetterbasierte Prognose

Wie funktioniert eine Wetterprognose fuer PV?

Im Gegensatz zu PVGIS, das auf historischen Durchschnittswerten basiert, nutzt eine wetterbasierte Prognose aktuelle numerische Wettermodelle (NWP). Diese berechnen die erwartete Sonneneinstrahlung fuer die kommenden Stunden und Tage auf Basis von:

  • Wolkenbedeckung: Art, Dichte und Hoehe der Wolken
  • Atmosphaerische Bedingungen: Luftfeuchtigkeit, Aerosole, Dunst
  • Temperatur: Einfluss auf den Modulwirkungsgrad
  • Einstrahlungsmodelle: Direkte, diffuse und reflektierte Strahlung

Genauigkeit und Zeitraum

Die Genauigkeit einer wetterbasierenden Prognose liegt bei plus/minus 10 bis 15 Prozent fuer den Tagesertrag. Je kuerzer der Prognosezeitraum, desto genauer:

  • Naechste 6 Stunden: Hohe Zuverlaessigkeit
  • 1 bis 2 Tage: Gute Zuverlaessigkeit
  • 3 bis 5 Tage: Abnehmende Genauigkeit
  • Ueber 5 Tage: Nur noch Tendenzaussagen

Einsatzzweck: Taegliche Optimierung

Wetterbasierte Prognosen sind ideal fuer die Betriebsphase:

  • Eigenverbrauchsoptimierung: Waschmaschine und Geschirrspueler starten, wenn die Sonne scheint
  • Batteriemanagement: Speicher gezielt laden und entladen
  • Einspeisung planen: Verbrauch an die erwartete Erzeugung anpassen
  • Wartungsplanung: Reinigung oder Inspektionen bei bedecktem Himmel durchfuehren

Methode 3: Monitoring — Echtzeitdaten

Was ist PV-Monitoring?

Monitoring erfasst die tatsaechliche Leistung Ihrer PV-Anlage in Echtzeit. Es ist keine Prognose, sondern eine Messung. Die Daten stammen direkt vom Wechselrichter, einem Smart Meter oder einem separaten Monitoring-System.

Welche Daten liefert Monitoring?

  • Momentanleistung: Aktuelle Erzeugung in Watt oder Kilowatt
  • Tages-, Monats- und Jahresertrag: Historische Produktionsdaten
  • Performance Ratio: Verhaeltnis von tatsaechlichem zu theoretischem Ertrag
  • Fehlererkennung: Abweichungen von der erwarteten Leistung
  • Stringvergleich: Leistungsunterschiede zwischen Modulgruppen

Einsatzzweck: Leistungsueberwachung

Monitoring ist unverzichtbar fuer die langfristige Leistungssicherung:

  • Ertragskontrolle: Stimmt der tatsaechliche Ertrag mit der Planung ueberein?
  • Fehlerfrueherkennung: Defekte Module, Wechselrichterprobleme, Verschattung
  • Degradationsueberwachung: Leistungsverlust ueber die Jahre verfolgen
  • Abrechnungsgrundlage: Exakte Daten fuer Einspeiseverguetung und Eigenverbrauch

Monitoring-Optionen

OptionKostenGenauigkeitEinrichtung
Wechselrichter-AppKostenlos (im Wechselrichter enthalten)HochEinfach
Smart Meter50 bis 200 EuroSehr hochMittel
Separates Monitoring-System200 bis 500 EuroSehr hochAufwaendig

Vergleich: Alle drei Methoden im Ueberblick

Vergleich der drei Methoden zur Solarertragsberechnung | Stand: Maerz 2026
KriteriumPVGISWetterprognoseMonitoring
DatenquelleSatellitendaten (15+ Jahre)Numerische WettermodelleWechselrichter / Smart Meter
Genauigkeitplus/minus 5-8 % (Jahresertrag)plus/minus 10-15 % (Tagesertrag)100 % (Messwert)
ZeitraumJahresertrag (Durchschnitt)Stunden bis 5 TageEchtzeit + Historisch
PhasePlanungsphaseBetriebsphaseBetriebsphase
EinsatzzweckWirtschaftlichkeit, FinanzierungEigenverbrauch, BatteriesteuerungFehlererkennung, Ertragskontrolle
KostenKostenlos (EU JRC)Kostenlos bis geringHardware erforderlich
Solantiq-ToolPV-RechnerSolarprognose-

Wann welche Methode nutzen? Der Entscheidungsbaum

Die Wahl der richtigen Methode haengt von Ihrer Situation ab:

Sie planen eine neue PV-Anlage

Nutzen Sie PVGIS (bzw. den Solantiq PV-Rechner):

  • Erwarteter Jahresertrag fuer die Wirtschaftlichkeitsberechnung
  • Grundlage fuer Finanzierungsentscheidungen
  • Vergleich verschiedener Anlagenkonfigurationen (Neigung, Ausrichtung, Modultyp)
  • Amortisationszeit und Renditeberechnung

Sie betreiben eine bestehende Anlage

Nutzen Sie die Wetterprognose (bzw. die Solantiq Solarprognose):

  • Tagesertrag vorhersagen und Eigenverbrauch optimieren
  • Grossverbraucher (Waschmaschine, E-Auto) gezielt einplanen
  • Batteriespeicher intelligent steuern

Sie wollen die Leistung ueberwachen

Nutzen Sie Monitoring:

  • Tatsaechlichen Ertrag mit PVGIS-Prognose vergleichen
  • Leistungsprobleme fruehzeitig erkennen
  • Degradation ueber die Jahre verfolgen

Die optimale Kombination

Die drei Methoden ergaenzen sich perfekt fuer den gesamten Lebenszyklus:

  1. Planung: PVGIS berechnet den erwarteten Jahresertrag
  2. Taeglicher Betrieb: Wetterprognose optimiert den Eigenverbrauch
  3. Langzeitkontrolle: Monitoring prueft, ob die Anlage wie geplant arbeitet
Genauigkeit der Methoden im Vergleich
PVGIS (Jahresertrag)93 %
Wetterprognose (Tagesertrag)85 %
Monitoring (Messwert)100 %

Mittlere Genauigkeit der drei Methoden (gerundete Mittelwerte)

Praxisbeispiel: Solarertrag fuer eine 10-kWp-Anlage

Um die Unterschiede greifbar zu machen, hier ein Beispiel fuer eine typische Anlage in Sueddeutschland:

MethodeErgebnisBedeutung
PVGISca. 10.500 kWh/JahrLangfristiger Durchschnitt fuer Wirtschaftlichkeitsberechnung
Wetterprognose (sonniger Junitag)ca. 55 kWh/TagKonkrete Planung fuer den naechsten Tag
Monitoring (gestern)48,7 kWhTatsaechlich gemessener Ertrag

Die Differenz zwischen Prognose und Messwert (55 vs. 48,7 kWh) erklaert sich durch lokale Faktoren wie kurzzeitige Verschattung, hohe Modultemperaturen oder Verschmutzung — Faktoren, die nur das Monitoring erfasst.

Haeufig gestellte Fragen

Welche Methode ist die genaueste?

Fuer den Jahresertrag ist PVGIS die zuverlaessigste Methode (plus/minus 5 bis 8 Prozent). Fuer den Tagesertrag liefert die Wetterprognose brauchbare Schaetzungen (plus/minus 10 bis 15 Prozent). Das Monitoring misst exakt, kann aber naturgemäss keine Vorhersage treffen.

Kann PVGIS den Ertrag fuer einzelne Tage vorhersagen?

Nein. PVGIS berechnet statistische Durchschnittswerte auf Basis historischer Daten. Fuer Tagesprognosen benoetigen Sie eine wetterbasierte Vorhersage, wie sie die Solantiq Solarprognose bietet.

Warum weicht der tatsaechliche Ertrag von der PVGIS-Berechnung ab?

Das ist voellig normal. PVGIS gibt den langfristigen Durchschnitt an. Einzelne Jahre koennen um 10 bis 15 Prozent davon abweichen — je nach Wetter. Ueber 20 bis 25 Jahre Anlagenlaufzeit mitteln sich diese Schwankungen jedoch aus.

Was kostet ein PV-Monitoring-System?

Die meisten modernen Wechselrichter bieten bereits eine kostenlose Monitoring-App. Separate Systeme kosten 50 bis 500 Euro je nach Funktionsumfang. Ein Smart Meter fuer die praezise Verbrauchsmessung liegt bei 50 bis 200 Euro.

Welche Methode empfehlen Sie fuer Einsteiger?

Starten Sie mit dem Solantiq PV-Rechner fuer die Planungsphase. Sobald Ihre Anlage installiert ist, nutzen Sie die Solarprognose fuer die taegliche Optimierung und die Wechselrichter-App fuer das Monitoring.


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