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Solarertrag nach Monat: Regionale Monatsübersicht für Deutschland 2026

Solarertrag pro Monat für Nord-, Mittel- und Süddeutschland in kWh/kWp. PVGIS-Daten, saisonale Muster und regionale Unterschiede.

~16 Min. Lesezeit Von Solantiq Team

Solarertrag nach Monat: So viel Strom liefert Ihre PV-Anlage wirklich

Wie viel Strom eine Solaranlage erzeugt, hängt stark vom Monat und vom Standort ab. Zwischen dem ertragsstärksten Juni und dem schwächsten Dezember liegt ein Faktor von bis zu 10. In diesem Referenzartikel finden Sie die monatlichen PVGIS-Ertragswerte für Nord-, Mittel- und Süddeutschland, lernen saisonale Muster zu verstehen und erfahren, warum der Mai den Juli oft schlägt.

Monatliche Ertragswerte im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt die typischen Ertragswerte in kWh pro installiertem kWp, aufgeschlüsselt nach drei Referenzstandorten. Die Daten basieren auf langjährigen PVGIS-Mittelwerten der Europäischen Kommission.

Typische Monatserträge in kWh/kWp | Quelle: PVGIS (EU Science Hub), langjährige Mittelwerte
MonatNord (Hamburg)Mitte (Berlin)Süd (München)
Januar253040
Februar404555
März758090
April110115120
Mai130135140
Juni135140145
Juli130135140
August115120130
September8590100
Oktober505565
November253035
Dezember152030

Jahressummen im Vergleich

Jahresertrag nach Region (kWh/kWp)
Nord (Hamburg)935 kWh/kWp
Mitte (Berlin)995 kWh/kWp
Süd (München)1.090 kWh/kWp

Jahressumme der monatlichen Ertragswerte | Quelle: PVGIS

Der Unterschied zwischen Hamburg und München beträgt rund 155 kWh/kWp pro Jahr — das entspricht etwa 16 %. Für eine typische 10-kWp-Anlage bedeutet das: In München erzeugen Sie im Jahresverlauf rund 1.550 kWh mehr als in Hamburg.

Saisonale Ertragsmuster verstehen

Monatlicher Solarertrag im Jahresverlauf (kWh/kWp)
Jan30 kWh/kWp
Feb45 kWh/kWp
Mär80 kWh/kWp
Apr115 kWh/kWp
Mai135 kWh/kWp
Jun140 kWh/kWp
Jul135 kWh/kWp
Aug120 kWh/kWp
Sep90 kWh/kWp
Okt55 kWh/kWp
Nov30 kWh/kWp
Dez20 kWh/kWp

Durchschnittswerte für Mitte Deutschland (Berlin) | Quelle: PVGIS

Der Ertragsverlauf folgt einer markanten Glockenkurve. Drei Phasen lassen sich klar unterscheiden:

Frühjahrsanstieg (März — Mai)

Ab März steigt der Ertrag sprunghaft an. Die Tageslänge nimmt stark zu (von ca. 11 auf 16 Stunden), und der Sonnenstand wird steiler. Gleichzeitig bleiben die Temperaturen moderat, was die Moduleffizienz begünstigt. Der März allein liefert bereits mehr als Januar und Februar zusammen.

Sommerplateau (Mai — August)

Die vier Sommermonate erzeugen zusammen rund 40 % des Jahresertrags. Auffällig: Der Mai und Juli liefern nahezu identische Werte, obwohl der Juli deutlich mehr Globalstrahlung erhält. Der Grund dafür liegt in der Temperatur.

Herbstabfall (September — November)

Im September fallen die Erträge auf das Niveau von März zurück. Ab Oktober sinken sie steil ab. Im November erreichen die Werte bereits das Winterniveau.

Warum der Mai oft besser ist als der Juli

Viele Anlagenbesitzer sind überrascht: Der Mai erzielt regelmäßig gleich hohe oder sogar höhere Erträge als der Juli — obwohl die Tage im Juli länger sind und die Sonne stärker scheint.

Drei Faktoren spielen zusammen:

  1. Temperaturkoeffizient: Module arbeiten im Mai bei 35-45 °C, im Juli bei 50-65 °C. Jedes Grad über 25 °C kostet Leistung.
  2. Tageslänge: Im Mai sind die Tage bereits fast so lang wie im Juni/Juli (ca. 15,5 vs. 16,5 Stunden in Norddeutschland).
  3. Luftfeuchtigkeit: Im Hochsommer ist die Luft häufig dunstiger, was die direkte Einstrahlung mindert.

Wer den Wirkungsgrad verschiedener Modultypen vergleicht, wird feststellen: Module mit niedrigem Temperaturkoeffizienten (z. B. HJT mit -0,26 %/°C) profitieren im Sommer überproportional.

Regionale Unterschiede: München vs. Hamburg vs. Berlin

Warum München mehr Ertrag liefert

München profitiert von drei Standortvorteilen:

  • Höhere Globalstrahlung: Rund 1.200 kWh/m² pro Jahr gegenüber 1.050 kWh/m² in Hamburg
  • Alpennähe: Häufige Föhnlagen bringen klare, trockene Luft mit hoher Direktstrahlung
  • Höhenlage (520 m): Dünnere Atmosphäre bedeutet weniger Streuung und mehr Einstrahlung

Berlin: Der Mittelwert

Berlin liegt mit rund 995 kWh/kWp genau zwischen den Extremen. Die Stadt profitiert von einem relativ trockenen, kontinental geprägten Klima mit überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden im Osten Deutschlands.

Hamburg: Weniger, aber rentabel

Hamburg erreicht rund 935 kWh/kWp — der niedrigste Wert in unserem Vergleich. Das maritime Klima bringt mehr Wolken und Niederschlag. Dennoch: Bei aktuellen Modulpreisen und Einspeisevergütungen ist eine PV-Anlage auch in Norddeutschland wirtschaftlich attraktiv.

Standortvergleich | Quellen: PVGIS, DWD
MerkmalHamburgBerlinMünchen
Jahresertrag (kWh/kWp)9359951.090
Globalstrahlung (kWh/m²)1.0501.1201.200
Sonnenstunden/Jahr1.5601.7401.780
Bester MonatJuni (135)Juni (140)Juni (145)
Schwächster MonatDez (15)Dez (20)Dez (30)
Ertrag 10-kWp-Anlage (kWh/a)9.3509.95010.900

Winterertrag: Was im Dezember und Januar möglich ist

Der Winter ist die ertragsschwächste Phase. Im Dezember erzeugt eine Anlage im Norden nur rund 15 kWh/kWp, im Süden immerhin 30 kWh/kWp. Für eine typische 10-kWp-Anlage bedeutet das:

StandortDezember (kWh)Januar (kWh)Feb (kWh)Winter gesamt
Hamburg150250400800
Berlin200300450950
München3004005501.250

Sommerertrag: Das Potenzial der Hauptsaison

Von April bis September fallen rund 75-80 % des Jahresertrags an. Diese sechs Monate sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage.

Anteil am Jahresertrag nach Halbjahr (Mitte Deutschland)
Apr-Sep (Sommer)77 %
Okt-Mär (Winter)23 %

Ertragsverteilung Sommerhalbjahr vs. Winterhalbjahr | Standort: Berlin

Im Sommer wird mehr Strom erzeugt, als ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht. Hier wird die Einspeisung ins Netz (Einspeisevergütung) oder die Nutzung eines Speichers besonders relevant.

Ertrag mit einer realen Anlage berechnen

Die oben genannten Werte beziehen sich auf kWh pro kWp — also den spezifischen Ertrag. Um den tatsächlichen Ertrag Ihrer Anlage zu berechnen, multiplizieren Sie die Werte mit Ihrer Anlagengröße:

Formel: Monatsertrag (kWh) = kWh/kWp-Wert × Anlagengröße (kWp)

Beispielrechnung: 10-kWp-Anlage in Berlin

MonatkWh/kWpErtrag 10 kWp
Januar30300 kWh
Februar45450 kWh
März80800 kWh
April1151.150 kWh
Mai1351.350 kWh
Juni1401.400 kWh
Juli1351.350 kWh
August1201.200 kWh
September90900 kWh
Oktober55550 kWh
November30300 kWh
Dezember20200 kWh
Gesamt9959.950 kWh

Einflussfaktoren auf den monatlichen Ertrag

Der spezifische Ertrag (kWh/kWp) wird von mehreren Faktoren beeinflusst, die je nach Monat unterschiedlich stark wirken:

1. Globalstrahlung

Die Globalstrahlung (Summe aus Direkt- und Diffusstrahlung) ist der wichtigste Faktor. Sie variiert in Deutschland zwischen ca. 25 kWh/m² (Dezember, Nord) und 170 kWh/m² (Juni, Süd). Mehr dazu in unserem Artikel zur Physik der Solarenergie.

2. Tageslänge

Die Tageslänge schwankt in Hamburg zwischen 7 Stunden (Dezember) und 17 Stunden (Juni). In München ist die Schwankung etwas geringer (8 bis 16 Stunden). Längere Tage bedeuten mehr Einstrahlungsstunden.

3. Sonnenstand (Elevationswinkel)

Ein steiler Sonnenstand im Sommer sorgt für mehr Energie pro Quadratmeter Modulfläche. Im Winter trifft das Licht in einem flachen Winkel auf, was die effektive Einstrahlung reduziert.

4. Modultemperatur

Wie oben beschrieben, verringert hohe Temperatur den Wirkungsgrad. Dieser Effekt ist im Sommer am stärksten und erklärt, warum der Ertragsanstieg von Mai zu Juni geringer ausfällt als der Einstrahlungsanstieg.

5. Verschattung und Wetter

Lokale Verschattung (Bäume, Nachbargebäude) kann den Ertrag erheblich mindern — besonders im Winter, wenn der Sonnenstand flach ist. Regionale Wettermuster (Nebel im Herbst, Gewitter im Sommer) beeinflussen die tatsächlichen Werte ebenfalls.

Häufige Fragen zum Solarertrag nach Monat

Wie viel kWh pro kWp erzeugt eine Solaranlage im Jahr?

In Deutschland erzeugt eine Solaranlage je nach Standort zwischen 900 und 1.100 kWh pro kWp im Jahr. Im Norden (Hamburg) sind es rund 935 kWh/kWp, in der Mitte (Berlin) etwa 995 kWh/kWp und im Süden (München) bis zu 1.090 kWh/kWp. Diese Werte gelten für optimal ausgerichtete Anlagen (Südausrichtung, 30-35° Neigung, keine Verschattung).

In welchem Monat ist der Solarertrag am höchsten?

Der höchste Solarertrag wird in Deutschland typischerweise im Juni erreicht, gefolgt von Mai und Juli. Im Juni liefert eine Anlage im Süden bis zu 145 kWh/kWp, in der Mitte 140 kWh/kWp und im Norden 135 kWh/kWp. Die drei Monate Mai bis Juli erzeugen zusammen rund 40 % des Jahresertrags.

Warum ist der Solarertrag im Mai oft höher als im Juli?

Im Mai sind die Tage fast so lang wie im Juni, aber die Modultemperaturen liegen deutlich niedriger. Da Solarmodule bei Hitze an Leistung verlieren (Temperaturkoeffizient ca. -0,35 %/°C), erzeugen kühlere Monate bei ähnlicher Einstrahlung mehr Strom. Die Temperaturdifferenz von 15-20 °C zwischen Mai und Juli kostet im Hochsommer rund 5-7 % Leistung.

Wie viel Solarstrom erzeugt eine Anlage im Winter?

Im Dezember und Januar erzeugt eine PV-Anlage nur etwa 2 bis 4 Prozent des Jahresertrags. Im Norden sind es im Dezember nur rund 15 kWh/kWp, im Süden immerhin 30 kWh/kWp. Für eine 10-kWp-Anlage bedeutet das 150 bis 300 kWh — bei einem Winterverbrauch von 400-500 kWh pro Monat reicht das nicht zur Vollversorgung.

Lohnt sich eine Solaranlage auch im Norden Deutschlands?

Ja. Mit rund 935 kWh/kWp liegt der Jahresertrag in Norddeutschland nur etwa 15 % unter dem Süden. Bei den aktuellen Modulpreisen und der Einspeisevergütung amortisiert sich eine Anlage auch in Hamburg oder Kiel innerhalb von 8 bis 12 Jahren. Entscheidend ist die Gesamtwirtschaftlichkeit, nicht allein der Ertrag.

Welche Datenquelle ist für Ertragsprognosen am zuverlässigsten?

Die PVGIS-Datenbank der Europäischen Kommission gilt als Referenz für Solarertragsprognosen in Europa. Sie basiert auf Satellitendaten und langjährigen Messwerten. Alternativ liefern Wetterdienste wie der DWD (Deutscher Wetterdienst) regionale Strahlungsdaten. Für eine standortgenaue Prognose nutzen Sie unsere Solarprognose.

Fazit: Den Ertrag Ihrer Anlage realistisch planen

Die monatlichen Ertragswerte zeigen deutlich: Eine Solaranlage ist kein gleichmäßiger Stromlieferant. Die Ertragsverteilung über das Jahr erfordert eine durchdachte Planung:

  1. Eigenverbrauch optimieren: Stromintensive Geräte (Waschmaschine, Spülmaschine) im Sommer tagsüber laufen lassen
  2. Speicher dimensionieren: Ein Batteriespeicher gleicht Tages- und teils auch saisonale Schwankungen aus
  3. Einspeisevergütung nutzen: Im Sommer produzierter Überschuss wird vergütet
  4. Realistische Erwartungen: Im Winter bleibt ein Netzbezug notwendig

Die hier gezeigten Werte sind Richtwerte. Für eine präzise Prognose Ihres Standorts empfehlen wir unsere kostenlose Solarprognose.

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