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Montagesysteme für Solaranlagen: Aufdach, Indach, Flachdach, Fassade und mehr

Solarmodul-Montage im Vergleich: Aufdach, Indach, Flachdach, Fassade, Carport und Freiland – Kosten, Vor-/Nachteile und Statik-Hinweise.

~18 Min. Lesezeit Von Solantiq Team

Montagesysteme für Solaranlagen: Aufdach, Indach, Flachdach, Fassade und mehr

Die Wahl des richtigen Montagesystems ist entscheidend für Ertrag, Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage. Je nach Dachtyp, Gebäudesituation und ästhetischen Anforderungen stehen verschiedene Systeme zur Verfügung – von der klassischen Aufdach-Montage bis zur Freiflächen-Aufstellung mit Nachführsystemen. Dieser Guide vergleicht alle gängigen Montagearten mit ihren Vor- und Nachteilen, Kosten und Einsatzbereichen.

Vergleichstabelle: Montagesysteme im Überblick

Vergleich der sechs Montagesystem-Typen | Stand: Januar 2026
MerkmalAufdachIndachFlachdachFassadeCarportFreiland
Typische Kosten (€/kWp)150–250300–500100–200400–700350–60080–150
Dachneigung15–60°15–60°0–5°90° (vertikal)VariabelFreistehend
ÄsthetikSichtbar, aufgesetztBündig, elegantVon unten unsichtbarArchitektur-ElementFunktionalEigenständig
InstallationEinfachAufwändig (Dachdecker)MittelAufwändig (Fassadenbau)Aufwändig (Statik)Mittel–Aufwändig
Statik-AnforderungGering–MittelMittelMittel (Ballast)HochHochGering
HinterlüftungGut (Abstand zum Dach)EingeschränktGut (Aufständerung)PlanbarGutSehr gut
WartungszugangGutSchwierigSehr gutSchwierigGutSehr gut
EignungSteildach, StandardNeubau, SanierungGewerbe, MFHBürogebäudeParkflächenGroßanlagen

Aufdach-Montage (Schrägdach)

Die Aufdach-Montage ist das mit Abstand häufigste System in Deutschland. Die Solarmodule werden mit Dachhaken, Montageschienen und Modulklemmen oberhalb der bestehenden Dacheindeckung befestigt.

Aufbau und Komponenten

  1. Dachhaken: Edelstahl-Haken werden unter den Dachziegeln am Sparren befestigt. Je nach Ziegeltyp gibt es angepasste Hakenformen (Universalhaken, Biberschwanz-Haken, Flachziegel-Haken).
  2. Montageschienen: Aluminium-Profile werden quer oder längs auf den Dachhaken verschraubt und bilden die Tragstruktur.
  3. Modulklemmen: Mittelklemmen (zwischen zwei Modulen) und Endklemmen (am Rand) fixieren die Module auf den Schienen. Wichtig: Modulhöhe und Klemmentyp müssen zusammenpassen.
  4. Erdung: Alle leitfähigen Teile werden über Potenzialausgleich geerdet (nach DIN VDE 0100-712).

Aufdach-Montage

Der Klassiker für Steildächer

Wirkungsgrad
Kein Ertragseinfluss
Preis/kWp
150–250 €/kWp
Vorteile
  • Günstigstes System für Steildächer
  • Einfache Installation (1–2 Tage)
  • Gute Hinterlüftung der Module
  • Bestehende Dacheindeckung bleibt intakt
  • Leichter Austausch einzelner Module
  • Bewährte Technik mit langer Erfahrung
Nachteile
  • Module sichtbar auf dem Dach aufgesetzt
  • Wind-Angriffsfläche etwas höher als Indach
  • Dachdurchdringungen erforderlich
  • Nicht bei allen Denkmalschutz-Auflagen zulässig
Ideal für

Standard-Einfamilienhäuser mit Steildach (Ziegel, Betondachstein)

Indach-Montage

Bei der Indach-Montage ersetzen die Solarmodule einen Teil der Dacheindeckung. Sie werden bündig in die Dachfläche integriert und bilden eine optisch einheitliche Fläche.

Aufbau und Besonderheiten

Die Module werden in einen speziellen Rahmen (z. B. von Solrif, GSE, Viridian) eingesetzt, der die Funktion der Dachziegel übernimmt. Seitliche Dichtprofile und ein Entwässerungssystem leiten Regenwasser ab. Die Unterkonstruktion wird direkt auf der Sparren-Lattung befestigt.

Wichtig: Die Wasserabführung muss professionell geplant werden. Übergänge zwischen Modulfeld und regulärer Dacheindeckung sind die kritischen Stellen für potenzielle Undichtigkeiten.

Indach-Montage

Ästhetische Dachintegration

Wirkungsgrad
~2–5 % geringer (weniger Hinterlüftung)
Preis/kWp
300–500 €/kWp
Vorteile
  • Elegante Optik – Module bündig mit Dachfläche
  • Ideal bei Neubau oder Dachsanierung
  • Module ersetzen Dachziegel (Materialeinsparung)
  • Oft denkmalschutzkonform
  • Geringere Wind-Angriffsfläche
Nachteile
  • Deutlich teurer als Aufdach
  • Eingeschränkte Hinterlüftung (Ertragsminderung durch Wärme)
  • Wartung und Modultausch aufwändiger
  • Spezielle Abdichtung nötig (Undichtigkeitsrisiko)
  • Nur bei kompatiblen Dachneigungen (15–60°)
Ideal für

Neubauten, Dachsanierungen und architektonisch anspruchsvolle Projekte

Flachdach-Montage

Auf Flachdächern (0–5° Neigung) werden Module entweder aufgeständert oder ballastiert montiert, um den optimalen Neigungswinkel zu erreichen.

Aufständerung vs. Ballastierung

  • Aufständerung mit Dachdurchdringung: Metallgestelle werden im Dachaufbau verankert. Vorteil: sehr stabil, auch bei starkem Wind. Nachteil: Dachhaut wird durchdrungen (Abdichtung erforderlich).
  • Ballastierung (durchdringungsfrei): Gestelle werden durch Betonplatten oder Schüttgut beschwert. Vorteil: keine Dachdurchdringung, Dachabdichtung bleibt intakt. Nachteil: hohe Dachlast (15–25 kg/m²), nicht auf jedem Dach möglich.
  • Aero-Systeme: Aerodynamisch geformte Wannen, die Wind teils in Auflast umwandeln. Leichter als reine Ballastierung (8–12 kg/m²).

Flachdach-Montage

Aufständerung für optimalen Winkel

Wirkungsgrad
Optimierbar durch Neigungswinkel
Preis/kWp
100–200 €/kWp
Vorteile
  • Optimaler Neigungswinkel frei wählbar (meist 10–15°)
  • Süd- oder Ost-West-Ausrichtung möglich
  • Vom Boden nicht sichtbar
  • Guter Wartungszugang (begehbares Dach)
  • Ballastierung ohne Dachdurchdringung möglich
Nachteile
  • Statikprüfung für Dachlast zwingend erforderlich
  • Reihenabstand nötig (Verschattung vermeiden)
  • Wind-Sog-Kräfte erfordern sichere Befestigung
  • Bei Ballastierung: hohes Gewicht (15–25 kg/m²)
  • Effektive Flächennutzung nur 60–70 % der Dachfläche
Ideal für

Gewerbegebäude, Mehrfamilienhäuser und öffentliche Gebäude mit Flachdach

Fassaden-Montage

Die Fassaden-Montage nutzt vertikale Gebäudeflächen für die Stromerzeugung. Module werden als vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) oder als Kaltfassade montiert.

Vor- und Hinterlüftung

  • Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF): Module werden mit Abstand (3–5 cm) vor der Wand montiert. Luft zirkuliert hinter den Modulen und führt Wärme und Feuchtigkeit ab. Dies ist der Standard für PV-Fassaden.
  • Kaltfassade: Ähnlich wie VHF, aber mit größerem Hinterlüftungsraum und integrierter Dämmebene. Kombiniert Wetterschutz, Dämmung und Stromerzeugung.
  • Warmfassade (selten): Module direkt auf der Dämmung – nicht empfohlen wegen Wärmestau.

Fassaden-Montage

Vertikale Stromerzeugung

Wirkungsgrad
~60–70 % des Dachertrags (vertikal)
Preis/kWp
400–700 €/kWp
Vorteile
  • Architektonisches Gestaltungselement
  • Zusätzliche Fläche neben dem Dach nutzbar
  • Besserer Winterertrag (flacher Sonnenstand)
  • Selbstreinigend (vertikale Fläche)
  • Integrierte Gebäudehülle (Wetterschutz + Strom)
Nachteile
  • Deutlich geringerer Ertrag als Dachanlage (~30–40 % weniger)
  • Hohe Kosten pro kWp
  • Aufwändige Planung (Fassadenbau + Elektrik)
  • Statik der Fassade muss geprüft werden
  • Wartung erfordert Höhenzugangsausrüstung
Ideal für

Bürogebäude, öffentliche Bauten und architektonisch ambitionierte Projekte

Carport und Pergola

Solar-Carports und Solar-Pergolen nutzen Überdachungen von Parkplätzen oder Terrassen als Montagefläche. Die Module bilden gleichzeitig das Dach der Konstruktion.

Statik-Hinweise

Carport-Konstruktionen müssen als eigenständige Bauwerke statisch berechnet werden. Zu berücksichtigen sind:

  • Schneelast gemäß DIN EN 1991-1-3 (abhängig von Schneelastzone und Dachneigung)
  • Windlast gemäß DIN EN 1991-1-4 (Carports sind oft frei angeströmt)
  • Eigengewicht der Module plus Unterkonstruktion (ca. 15–25 kg/m²)
  • Gründung: Punktfundamente oder Streifenfundamente, je nach Baugrund

Carport / Pergola

Doppelnutzung: Überdachung + Strom

Wirkungsgrad
Abhängig von Neigung und Ausrichtung
Preis/kWp
350–600 €/kWp (inkl. Konstruktion)
Vorteile
  • Doppelnutzung der Fläche (Parken/Terrasse + Strom)
  • Keine bestehende Dachfläche nötig
  • Ideal für E-Auto-Ladestationen
  • Schutz vor Regen und Sonne
  • Gute Hinterlüftung
Nachteile
  • Hohe Investitionskosten (Konstruktion + Module)
  • Baugenehmigung meist erforderlich
  • Statik muss vollständig berechnet werden
  • Fundamente nötig
  • Schneelast und Wind müssen berücksichtigt werden
Ideal für

Gewerbliche Parkplätze, Einfamilienhäuser mit Stellplatz, E-Mobilität

Freiland-Montage

Freiflächenanlagen werden auf offenem Gelände errichtet – typisch für Solarparks ab 100 kWp bis in den Megawatt-Bereich. Hier stehen zwei Grundkonzepte zur Wahl: Festaufstellung und Nachführsysteme (Tracker).

Tracker vs. Festaufstellung

  • Festaufstellung: Module auf Metallgestellen in festem Winkel (ca. 20–30° nach Süd). Günstig, wartungsarm und bewährt.
  • Einachsiger Tracker: Module folgen dem Sonnenverlauf von Ost nach West. Mehrertrag: 15–25 % gegenüber Festaufstellung. Zusatzkosten ca. 15–20 %.
  • Zweiachsiger Tracker: Nachführung in beide Achsen (Azimut und Elevation). Mehrertrag: 25–35 %, aber deutlich teurer und wartungsintensiver. In Mitteleuropa selten wirtschaftlich.

Freiland-Montage

Großanlagen auf offener Fläche

Wirkungsgrad
Optimierbar durch Tracker (+15–35 %)
Preis/kWp
80–150 €/kWp (Festaufstellung)
Vorteile
  • Niedrigste Montagekosten pro kWp
  • Optimale Ausrichtung und Neigung
  • Hervorragende Hinterlüftung
  • Einfacher Wartungszugang
  • Skalierbar bis in den MW-Bereich
  • Agri-PV ermöglicht Doppelnutzung
Nachteile
  • Flächenverbrauch (Versiegelung)
  • Genehmigungsverfahren (Bebauungsplan nötig)
  • Netzanschluss kann teuer sein
  • Kein Eigenverbrauch (Einspeisevergütung)
  • Vandalismusrisiko höher
Ideal für

Solarparks, Landwirtschaft (Agri-PV), Konversionsflächen

Kostenvergleich der Montagesysteme

Montagekosten nach System (€/kWp)
Freiland115 €/kWp
Flachdach150 €/kWp
Aufdach200 €/kWp
Indach400 €/kWp
Carport475 €/kWp
Fassade550 €/kWp

Typische Montagekosten (Mittelwert aus Min/Max-Spanne)

Die Montagekosten sind nur ein Teil der Gesamtkosten einer PV-Anlage. Module, Wechselrichter, Verkabelung, Planung und Netzanschluss kommen hinzu. Bei der Wahl des Montagesystems sollten Sie neben den reinen Montagekosten auch den erwarteten Mehrertrag (z. B. optimale Ausrichtung auf Flachdach) und eingesparte Materialien (z. B. Dachziegel bei Indach) berücksichtigen.

Statik: Wann ist ein Fachmann nötig?

Fazit: Welches System passt zu Ihrem Projekt?

Die Wahl des Montagesystems hängt primär von der vorhandenen Fläche, dem Budget und den ästhetischen Anforderungen ab:

  • Einfamilienhaus mit Steildach: Aufdach-Montage ist der Standard – bewährt, günstig und effizient.
  • Neubau oder Dachsanierung: Indach-Montage für eine elegante Lösung, wenn das Budget es erlaubt.
  • Gewerbegebäude mit Flachdach: Ost-West-Aufständerung maximiert den Ertrag pro Quadratmeter.
  • Repräsentative Gebäude: Fassaden-PV als architektonisches Statement.
  • Parkflächen mit E-Ladeinfrastruktur: Solar-Carport kombiniert Überdachung und Stromerzeugung.
  • Große Freiflächen: Freiland-Montage mit den niedrigsten Kosten pro kWp.

Unabhängig vom System gilt: Lassen Sie die Statik prüfen, beauftragen Sie einen zertifizierten Installateur und achten Sie auf hochwertige Unterkonstruktionen aus Aluminium oder Edelstahl – die Montage muss 25–30 Jahre halten.

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