Contexagon Solantiq
Wartung Empfohlen

Wartung & Pflege von Solaranlagen: Reinigung, Monitoring und Fehlerbehebung

PV-Anlagen Wartung: Reinigungsanleitung, Monitoring-Systeme, häufige Defekte erkennen, Garantie-Tipps und jährliche Wartungscheckliste.

~16 Min. Lesezeit Von Solantiq Team

Wartung & Pflege von Solaranlagen: Reinigung, Monitoring und Fehlerbehebung

Eine Photovoltaikanlage arbeitet über Jahrzehnte weitgehend wartungsarm – doch „wartungsarm” bedeutet nicht „wartungsfrei”. Regelmäßige Kontrollen, rechtzeitige Reinigung und ein gutes Monitoring-System können den Ertrag um 3–10 % steigern und die Lebensdauer der Anlage verlängern. Dieser Guide erklärt, was Sie selbst tun können, wann ein Fachmann nötig ist und wie Sie Ihre Garantie nicht gefährden.

Wartungsplan: Was wann prüfen?

Empfohlener Wartungsplan für PV-Anlagen | Stand: Januar 2026
MaßnahmeIntervallDurchführungKosten
Sichtprüfung vom Boden2× jährlich (Frühjahr/Herbst)EigenleistungKostenlos
Ertragsmonitoring prüfenMonatlichEigenleistung (App/Portal)Kostenlos
ModulreinigungAlle 2–4 Jahre (bei Bedarf)Eigenleistung oder Fachfirma1–3 €/m² (Fachfirma)
Wechselrichter-CheckJährlichEigenleistung (Display/App)Kostenlos
Elektrische Prüfung (E-Check)Alle 4 JahreElektrofachkraft150–300 €
Thermografie-InspektionBei Verdacht / alle 5–6 JahreFachfirma200–500 €
Dachdurchführungen prüfenAlle 2 JahreDachdecker oder Installateur100–200 €
Montagesystem-KontrolleAlle 4–5 JahreInstallateur100–250 €

Reinigung: Wann nötig und wie richtig durchführen

Solarmodule reinigen sich durch Regen und Schnee teilweise selbst. Dennoch können Verschmutzungen den Ertrag um 2–7 % mindern – in Extremfällen (Vogelkot, Moos, Industriestaub) sogar mehr.

Wann ist eine Reinigung sinnvoll?

  • Flache Neigung (<15°): Regen spült Schmutz schlechter ab – häufiger reinigen
  • Landwirtschaftliche Umgebung: Staub, Pollen und Blütenstaub setzen sich ab
  • Nähe zu Bäumen: Harz, Blätter und Vogelkot
  • Industriegebiete: Ruß und Feinstaub
  • Flachdächer: Keine Selbstreinigung durch Neigung

Reinigung: Dos & Don’ts

Reinigungsregeln für Solarmodule
✅ Richtig❌ Falsch
Weiches, entmineralisiertes Wasser verwendenHochdruckreiniger einsetzen (Dichtungen, Beschichtung)
Weiche Bürste oder Schwamm nutzenScheuermittel oder harte Bürsten verwenden
Morgens oder abends reinigen (Module kühl)Bei praller Sonne reinigen (Thermoschock-Risiko)
Vom Boden mit Teleskopstange arbeitenAuf das Dach steigen ohne Sicherung
Reines Wasser ohne Zusätze verwendenAggressive Reinigungsmittel nutzen
Vogelkot zeitnah entfernen (Hotspot-Risiko)Verschmutzungen mit Metallwerkzeug abkratzen

Monitoring: Ertragsverluste frühzeitig erkennen

Ein gutes Monitoring-System ist die wichtigste Wartungsmaßnahme – es erkennt Ertragseinbußen oft bevor sie sichtbar werden.

Monitoring-Optionen im Vergleich

Monitoring-Systeme für PV-Anlagen im Vergleich
SystemFunktionKostenEmpfehlung
Wechselrichter-AppTages-/Monats-/Jahresertrag, FehlermeldungenIm Wechselrichter enthaltenMindeststandard für jede Anlage
Herstellerportal (Cloud)Fernüberwachung, Push-Benachrichtigungen, VergleichsdatenMeist kostenlosEmpfohlen – automatische Alarme
Smart Meter + AppEigenverbrauch, Netzeinspeisung, Bezug in Echtzeit50–200 € (Hardware)Ideal für Eigenverbrauchsoptimierung
Modul-Monitoring (Optimizer)Leistung pro Modul einzeln überwachen30–50 € pro ModulBei Teilverschattung oder großen Anlagen
Unabhängige Plattform (z. B. Solar-Log)Herstellerunabhängig, Vergleich, Reporting300–600 € (Hardware)Für ambitionierte Betreiber und Gewerbe

Worauf beim Monitoring achten?

  • Tagesertrag-Vergleich: Vergleichen Sie den Ertrag mit den Vortagen bei ähnlichem Wetter. Ein plötzlicher Einbruch deutet auf ein Problem hin.
  • Monatsvergleich zum Vorjahr: Liegt der Ertrag dauerhaft unter dem Vorjahreswert, sollten Sie die Anlage prüfen.
  • String-Vergleich: Bei Anlagen mit mehreren Strings sollten die Erträge ähnlich sein. Große Abweichungen deuten auf ein defektes Modul oder eine Verschattung hin.
  • Fehlermeldungen: Wechselrichter-Fehlercodes sofort prüfen – manche sind harmlos (Netzstörung), andere erfordern schnelles Handeln (Isolationsfehler).

Häufige Probleme und Symptome

Häufige PV-Probleme: Symptome, Ursachen und Maßnahmen
SymptomMögliche UrsacheMaßnahmeDringlichkeit
Ertrag plötzlich auf NullWechselrichter-Ausfall, Sicherung, NetzfehlerWechselrichter-Display prüfen, Sicherungen kontrollierenSofort
Ertrag langsam sinkendVerschmutzung, Teilverschattung (neuer Baum), DegradationSichtprüfung, Reinigung, Monitoring-Daten auswertenInnerhalb Wochen
Ein String deutlich wenigerDefektes Modul, Kabelbruch, Stecker oxidiertElektriker: String-Messung, ThermografieInnerhalb Tagen
Hotspot auf Modul sichtbarZelldefekt, Vogelkot, TeilverschattungSofort Fachmann – Brandgefahr!Sofort
Braune/gelbe Verfärbung am ModulDelamination, EVA-Verfärbung (Browning)Garantiefall prüfen, Modul tauschenInnerhalb Wochen
Glasbruch / Risse im ModulHagel, Steinschlag, thermische SpannungModul abschalten und tauschen (Garantie/Versicherung)Innerhalb Tagen
Wechselrichter brummt lautLüfter defekt, Überlastung, BauteilfehlerHerstellersupport kontaktierenInnerhalb Tagen
Fehlermeldung „Isolationsfehler"Feuchtigkeit im Stecker, KabelschadenSofort Elektriker – Sicherheitsrisiko!Sofort

Wann ist ein Fachmann nötig?

Nicht alle Wartungsarbeiten können Sie selbst erledigen. Die folgende Aufteilung hilft bei der Entscheidung:

Eigenleistung (ohne Fachkenntnisse)

  • Sichtprüfung vom Boden (Verschmutzung, sichtbare Schäden)
  • Ertragsmonitoring per App/Portal prüfen
  • Wechselrichter-Display auf Fehlermeldungen kontrollieren
  • Reinigung vom Boden mit Teleskopstange
  • Umgebung freihalten (Bäume zurückschneiden lassen)

Elektrofachkraft erforderlich

  • Elektrische Prüfung (E-Check PV nach DIN VDE 0126-23)
  • String-Messung bei Ertragsproblemen
  • Wechselrichter-Tausch oder -Reparatur
  • Stecker- und Kabelprüfung auf dem Dach
  • Isolationswiderstandsmessung
  • Thermografie-Inspektion

Dachdecker oder Installateur

  • Prüfung der Dachdurchführungen und Abdichtungen
  • Montagesystem-Kontrolle (Klemmen, Schienen nachziehen)
  • Modulwechsel auf dem Dach
  • Prüfung nach Sturm oder Hagel

Garantie: Was macht sie ungültig?

Garantiearten und typische Bedingungen bei PV-Anlagen
GarantieartTypische DauerWas ist abgedeckt?Typische Ausschlüsse
Produktgarantie Module10–15 Jahre (Premium: 25 Jahre)Materialfehler, Verarbeitung, DelaminationUnsachgemäße Montage, mechanische Beschädigung
Leistungsgarantie Module25–30 JahreMindestleistung (z. B. 80 % nach 25 Jahren)Verschmutzung, Verschattung (kein Defekt)
Garantie Wechselrichter5–10 Jahre (erweiterbar auf 15–20)Defekte Bauteile, SoftwarefehlerÜberspannung ohne Blitzschutz, falsche Dimensionierung
Garantie Montagesystem10–15 JahreKorrosion, MaterialversagenFalsche Schrauben/Dübel, nachträgliche Änderungen

Was die Garantie ungültig machen kann

  • Eigenständige Reparaturen an elektrischen Komponenten (nur Elektrofachkraft!)
  • Unsachgemäße Reinigung (Hochdruckreiniger, Scheuermittel)
  • Nicht autorisierte Änderungen am System (z. B. Module umklemmen)
  • Fehlender Blitzschutz, wenn vom Hersteller gefordert
  • Nicht fristgerechte Mängelmeldung – Schäden sofort dokumentieren und melden
  • Fehlende Wartungsnachweise (bei manchen Herstellern Bedingung)

Checkliste: Jährliche Sichtprüfung

Führen Sie diese Prüfung zweimal jährlich durch – idealerweise im Frühjahr (nach Winter) und im Herbst (vor Winter):

Module und Dach

  1. ☐ Module auf sichtbare Schäden prüfen (Risse, Verfärbungen, Delamination)
  2. ☐ Verschmutzungsgrad beurteilen (Laub, Vogelkot, Moos)
  3. ☐ Rahmen der Module auf Korrosion prüfen
  4. ☐ Sichtbare Kabel auf Beschädigungen oder Tierfraß kontrollieren
  5. ☐ Dachanschlüsse und Durchführungen auf Dichtigkeit prüfen
  6. ☐ Montagegestell auf lockere Teile prüfen (soweit sichtbar)

Wechselrichter und Elektrik

  1. ☐ Wechselrichter-Display auf Fehlermeldungen prüfen
  2. ☐ LED-Status des Wechselrichters kontrollieren (Grün = OK)
  3. ☐ Lüftungsöffnungen des Wechselrichters frei von Staub/Spinnweben
  4. ☐ DC-Trennschalter auf Funktion prüfen
  5. ☐ Sicherungen im Zählerschrank kontrollieren

Ertrag und Monitoring

  1. ☐ Monatsertrag mit Vorjahr vergleichen
  2. ☐ PVGIS-Prognose mit realem Ertrag abgleichen
  3. ☐ String-Erträge vergleichen (bei mehreren Strings)
  4. ☐ Auffälligkeiten dokumentieren und ggf. Fachmann informieren

Ersatzteil-Beschaffung

Wenn ein Modul oder Wechselrichter getauscht werden muss, stehen Sie vor der Herausforderung der Ersatzteilbeschaffung:

  • Module: Exakt gleiche Module sind nach 5–10 Jahren oft nicht mehr verfügbar. Ein Modul mit gleicher Leistung und ähnlichen elektrischen Kennwerten (Isc, Voc) kann im selben String betrieben werden. Bei optischen Abweichungen gibt es spezielle „schwarze” Ersatzmodule.
  • Wechselrichter: String-Wechselrichter sind einfacher zu ersetzen als Mikro-Wechselrichter. Achten Sie auf Kompatibilität mit der bestehenden String-Konfiguration (Spannungsfenster, Stromstärke).
  • Montagesystem: Klemmen und Schienen sind meist standardisiert. Halten Sie Ersatzklemmen bereit.

Versicherung bei Schäden

Eine PV-Anlage sollte gegen folgende Risiken versichert sein:

  • Wohngebäudeversicherung: Deckt oft PV-Anlagen mit ab – prüfen Sie den Vertrag auf expliziten Einschluss. Sturmschäden, Hagel und Blitzschlag sind typischerweise abgedeckt.
  • Allgefahren-Versicherung (Elektronikversicherung): Umfassendster Schutz – deckt auch Bedienungsfehler, Kurzschluss, Marder- und Tierbiss, Diebstahl und Ertragsausfall ab. Kosten: ca. 50–120 €/Jahr für eine typische Hausanlage.
  • Ertragsausfall-Versicherung: Ersetzt entgangene Einspeisevergütung und Eigenverbrauchseinsparung während der Reparatur.

Degradation: Wie viel Leistung verliert eine Anlage?

Typische Modul-Degradation: Verbleibende Leistung nach Betriebsjahren
TechnologieJahr 1Jahr 10Jahr 25Jahr 30
Monokristallin (PERC/TOPCon)98 %94,5 %88,5 %86,5 %
Polykristallin97,5 %93 %85,5 %83 %
Dünnschicht (CdTe)97 %91,5 %83,5 %81 %

Moderne Module degradieren mit etwa 0,3–0,5 % pro Jahr nach einer anfänglichen Degradation (LID/LeTID) von 1–3 % im ersten Jahr. Eine Anlage liefert nach 25 Jahren noch typischerweise 85–92 % ihrer Nennleistung. Liegt der reale Wert deutlich darunter, sollten Sie einen Fachmann hinzuziehen – möglicherweise liegt ein Defekt vor oder die Leistungsgarantie greift.

Fazit: Wartung lohnt sich

Regelmäßige Wartung und Monitoring sind der Schlüssel zu einer langlebigen und ertragreichen PV-Anlage:

  • Monitoring aktivieren und monatlich Erträge prüfen – das kostet nichts und erkennt Probleme früh.
  • Sichtprüfung zweimal jährlich vom Boden aus durchführen.
  • Reinigung nur bei sichtbarer Verschmutzung – übertriebene Reinigung schadet mehr als sie nützt.
  • Elektrische Prüfung alle 4 Jahre durch eine Fachkraft durchführen lassen.
  • Garantiebedingungen kennen und Wartung dokumentieren.
  • Versicherung prüfen und PV-Anlage beim Versicherer anmelden.

Eine gut gewartete Anlage erreicht problemlos ihre prognostizierte Lebensdauer von 25–30+ Jahren und erwirtschaftet über die gesamte Laufzeit deutlich mehr als eine vernachlässigte Anlage.

Inhaltsverzeichnis

War dieser Artikel hilfreich?