Wartung & Pflege von Solaranlagen: Reinigung, Monitoring und Fehlerbehebung
PV-Anlagen Wartung: Reinigungsanleitung, Monitoring-Systeme, häufige Defekte erkennen, Garantie-Tipps und jährliche Wartungscheckliste.
Wartung & Pflege von Solaranlagen: Reinigung, Monitoring und Fehlerbehebung
Eine Photovoltaikanlage arbeitet über Jahrzehnte weitgehend wartungsarm – doch „wartungsarm” bedeutet nicht „wartungsfrei”. Regelmäßige Kontrollen, rechtzeitige Reinigung und ein gutes Monitoring-System können den Ertrag um 3–10 % steigern und die Lebensdauer der Anlage verlängern. Dieser Guide erklärt, was Sie selbst tun können, wann ein Fachmann nötig ist und wie Sie Ihre Garantie nicht gefährden.
Wartungsplan: Was wann prüfen?
| Maßnahme | Intervall | Durchführung | Kosten |
|---|---|---|---|
| Sichtprüfung vom Boden | 2× jährlich (Frühjahr/Herbst) | Eigenleistung | Kostenlos |
| Ertragsmonitoring prüfen | Monatlich | Eigenleistung (App/Portal) | Kostenlos |
| Modulreinigung | Alle 2–4 Jahre (bei Bedarf) | Eigenleistung oder Fachfirma | 1–3 €/m² (Fachfirma) |
| Wechselrichter-Check | Jährlich | Eigenleistung (Display/App) | Kostenlos |
| Elektrische Prüfung (E-Check) | Alle 4 Jahre | Elektrofachkraft | 150–300 € |
| Thermografie-Inspektion | Bei Verdacht / alle 5–6 Jahre | Fachfirma | 200–500 € |
| Dachdurchführungen prüfen | Alle 2 Jahre | Dachdecker oder Installateur | 100–200 € |
| Montagesystem-Kontrolle | Alle 4–5 Jahre | Installateur | 100–250 € |
Reinigung: Wann nötig und wie richtig durchführen
Solarmodule reinigen sich durch Regen und Schnee teilweise selbst. Dennoch können Verschmutzungen den Ertrag um 2–7 % mindern – in Extremfällen (Vogelkot, Moos, Industriestaub) sogar mehr.
Wann ist eine Reinigung sinnvoll?
- Flache Neigung (<15°): Regen spült Schmutz schlechter ab – häufiger reinigen
- Landwirtschaftliche Umgebung: Staub, Pollen und Blütenstaub setzen sich ab
- Nähe zu Bäumen: Harz, Blätter und Vogelkot
- Industriegebiete: Ruß und Feinstaub
- Flachdächer: Keine Selbstreinigung durch Neigung
Reinigung: Dos & Don’ts
| ✅ Richtig | ❌ Falsch |
|---|---|
| Weiches, entmineralisiertes Wasser verwenden | Hochdruckreiniger einsetzen (Dichtungen, Beschichtung) |
| Weiche Bürste oder Schwamm nutzen | Scheuermittel oder harte Bürsten verwenden |
| Morgens oder abends reinigen (Module kühl) | Bei praller Sonne reinigen (Thermoschock-Risiko) |
| Vom Boden mit Teleskopstange arbeiten | Auf das Dach steigen ohne Sicherung |
| Reines Wasser ohne Zusätze verwenden | Aggressive Reinigungsmittel nutzen |
| Vogelkot zeitnah entfernen (Hotspot-Risiko) | Verschmutzungen mit Metallwerkzeug abkratzen |
Monitoring: Ertragsverluste frühzeitig erkennen
Ein gutes Monitoring-System ist die wichtigste Wartungsmaßnahme – es erkennt Ertragseinbußen oft bevor sie sichtbar werden.
Monitoring-Optionen im Vergleich
| System | Funktion | Kosten | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Wechselrichter-App | Tages-/Monats-/Jahresertrag, Fehlermeldungen | Im Wechselrichter enthalten | Mindeststandard für jede Anlage |
| Herstellerportal (Cloud) | Fernüberwachung, Push-Benachrichtigungen, Vergleichsdaten | Meist kostenlos | Empfohlen – automatische Alarme |
| Smart Meter + App | Eigenverbrauch, Netzeinspeisung, Bezug in Echtzeit | 50–200 € (Hardware) | Ideal für Eigenverbrauchsoptimierung |
| Modul-Monitoring (Optimizer) | Leistung pro Modul einzeln überwachen | 30–50 € pro Modul | Bei Teilverschattung oder großen Anlagen |
| Unabhängige Plattform (z. B. Solar-Log) | Herstellerunabhängig, Vergleich, Reporting | 300–600 € (Hardware) | Für ambitionierte Betreiber und Gewerbe |
Worauf beim Monitoring achten?
- Tagesertrag-Vergleich: Vergleichen Sie den Ertrag mit den Vortagen bei ähnlichem Wetter. Ein plötzlicher Einbruch deutet auf ein Problem hin.
- Monatsvergleich zum Vorjahr: Liegt der Ertrag dauerhaft unter dem Vorjahreswert, sollten Sie die Anlage prüfen.
- String-Vergleich: Bei Anlagen mit mehreren Strings sollten die Erträge ähnlich sein. Große Abweichungen deuten auf ein defektes Modul oder eine Verschattung hin.
- Fehlermeldungen: Wechselrichter-Fehlercodes sofort prüfen – manche sind harmlos (Netzstörung), andere erfordern schnelles Handeln (Isolationsfehler).
Häufige Probleme und Symptome
| Symptom | Mögliche Ursache | Maßnahme | Dringlichkeit |
|---|---|---|---|
| Ertrag plötzlich auf Null | Wechselrichter-Ausfall, Sicherung, Netzfehler | Wechselrichter-Display prüfen, Sicherungen kontrollieren | Sofort |
| Ertrag langsam sinkend | Verschmutzung, Teilverschattung (neuer Baum), Degradation | Sichtprüfung, Reinigung, Monitoring-Daten auswerten | Innerhalb Wochen |
| Ein String deutlich weniger | Defektes Modul, Kabelbruch, Stecker oxidiert | Elektriker: String-Messung, Thermografie | Innerhalb Tagen |
| Hotspot auf Modul sichtbar | Zelldefekt, Vogelkot, Teilverschattung | Sofort Fachmann – Brandgefahr! | Sofort |
| Braune/gelbe Verfärbung am Modul | Delamination, EVA-Verfärbung (Browning) | Garantiefall prüfen, Modul tauschen | Innerhalb Wochen |
| Glasbruch / Risse im Modul | Hagel, Steinschlag, thermische Spannung | Modul abschalten und tauschen (Garantie/Versicherung) | Innerhalb Tagen |
| Wechselrichter brummt laut | Lüfter defekt, Überlastung, Bauteilfehler | Herstellersupport kontaktieren | Innerhalb Tagen |
| Fehlermeldung „Isolationsfehler" | Feuchtigkeit im Stecker, Kabelschaden | Sofort Elektriker – Sicherheitsrisiko! | Sofort |
Wann ist ein Fachmann nötig?
Nicht alle Wartungsarbeiten können Sie selbst erledigen. Die folgende Aufteilung hilft bei der Entscheidung:
Eigenleistung (ohne Fachkenntnisse)
- Sichtprüfung vom Boden (Verschmutzung, sichtbare Schäden)
- Ertragsmonitoring per App/Portal prüfen
- Wechselrichter-Display auf Fehlermeldungen kontrollieren
- Reinigung vom Boden mit Teleskopstange
- Umgebung freihalten (Bäume zurückschneiden lassen)
Elektrofachkraft erforderlich
- Elektrische Prüfung (E-Check PV nach DIN VDE 0126-23)
- String-Messung bei Ertragsproblemen
- Wechselrichter-Tausch oder -Reparatur
- Stecker- und Kabelprüfung auf dem Dach
- Isolationswiderstandsmessung
- Thermografie-Inspektion
Dachdecker oder Installateur
- Prüfung der Dachdurchführungen und Abdichtungen
- Montagesystem-Kontrolle (Klemmen, Schienen nachziehen)
- Modulwechsel auf dem Dach
- Prüfung nach Sturm oder Hagel
Garantie: Was macht sie ungültig?
| Garantieart | Typische Dauer | Was ist abgedeckt? | Typische Ausschlüsse |
|---|---|---|---|
| Produktgarantie Module | 10–15 Jahre (Premium: 25 Jahre) | Materialfehler, Verarbeitung, Delamination | Unsachgemäße Montage, mechanische Beschädigung |
| Leistungsgarantie Module | 25–30 Jahre | Mindestleistung (z. B. 80 % nach 25 Jahren) | Verschmutzung, Verschattung (kein Defekt) |
| Garantie Wechselrichter | 5–10 Jahre (erweiterbar auf 15–20) | Defekte Bauteile, Softwarefehler | Überspannung ohne Blitzschutz, falsche Dimensionierung |
| Garantie Montagesystem | 10–15 Jahre | Korrosion, Materialversagen | Falsche Schrauben/Dübel, nachträgliche Änderungen |
Was die Garantie ungültig machen kann
- Eigenständige Reparaturen an elektrischen Komponenten (nur Elektrofachkraft!)
- Unsachgemäße Reinigung (Hochdruckreiniger, Scheuermittel)
- Nicht autorisierte Änderungen am System (z. B. Module umklemmen)
- Fehlender Blitzschutz, wenn vom Hersteller gefordert
- Nicht fristgerechte Mängelmeldung – Schäden sofort dokumentieren und melden
- Fehlende Wartungsnachweise (bei manchen Herstellern Bedingung)
Checkliste: Jährliche Sichtprüfung
Führen Sie diese Prüfung zweimal jährlich durch – idealerweise im Frühjahr (nach Winter) und im Herbst (vor Winter):
Module und Dach
- ☐ Module auf sichtbare Schäden prüfen (Risse, Verfärbungen, Delamination)
- ☐ Verschmutzungsgrad beurteilen (Laub, Vogelkot, Moos)
- ☐ Rahmen der Module auf Korrosion prüfen
- ☐ Sichtbare Kabel auf Beschädigungen oder Tierfraß kontrollieren
- ☐ Dachanschlüsse und Durchführungen auf Dichtigkeit prüfen
- ☐ Montagegestell auf lockere Teile prüfen (soweit sichtbar)
Wechselrichter und Elektrik
- ☐ Wechselrichter-Display auf Fehlermeldungen prüfen
- ☐ LED-Status des Wechselrichters kontrollieren (Grün = OK)
- ☐ Lüftungsöffnungen des Wechselrichters frei von Staub/Spinnweben
- ☐ DC-Trennschalter auf Funktion prüfen
- ☐ Sicherungen im Zählerschrank kontrollieren
Ertrag und Monitoring
- ☐ Monatsertrag mit Vorjahr vergleichen
- ☐ PVGIS-Prognose mit realem Ertrag abgleichen
- ☐ String-Erträge vergleichen (bei mehreren Strings)
- ☐ Auffälligkeiten dokumentieren und ggf. Fachmann informieren
Ersatzteil-Beschaffung
Wenn ein Modul oder Wechselrichter getauscht werden muss, stehen Sie vor der Herausforderung der Ersatzteilbeschaffung:
- Module: Exakt gleiche Module sind nach 5–10 Jahren oft nicht mehr verfügbar. Ein Modul mit gleicher Leistung und ähnlichen elektrischen Kennwerten (Isc, Voc) kann im selben String betrieben werden. Bei optischen Abweichungen gibt es spezielle „schwarze” Ersatzmodule.
- Wechselrichter: String-Wechselrichter sind einfacher zu ersetzen als Mikro-Wechselrichter. Achten Sie auf Kompatibilität mit der bestehenden String-Konfiguration (Spannungsfenster, Stromstärke).
- Montagesystem: Klemmen und Schienen sind meist standardisiert. Halten Sie Ersatzklemmen bereit.
Versicherung bei Schäden
Eine PV-Anlage sollte gegen folgende Risiken versichert sein:
- Wohngebäudeversicherung: Deckt oft PV-Anlagen mit ab – prüfen Sie den Vertrag auf expliziten Einschluss. Sturmschäden, Hagel und Blitzschlag sind typischerweise abgedeckt.
- Allgefahren-Versicherung (Elektronikversicherung): Umfassendster Schutz – deckt auch Bedienungsfehler, Kurzschluss, Marder- und Tierbiss, Diebstahl und Ertragsausfall ab. Kosten: ca. 50–120 €/Jahr für eine typische Hausanlage.
- Ertragsausfall-Versicherung: Ersetzt entgangene Einspeisevergütung und Eigenverbrauchseinsparung während der Reparatur.
Degradation: Wie viel Leistung verliert eine Anlage?
| Technologie | Jahr 1 | Jahr 10 | Jahr 25 | Jahr 30 |
|---|---|---|---|---|
| Monokristallin (PERC/TOPCon) | 98 % | 94,5 % | 88,5 % | 86,5 % |
| Polykristallin | 97,5 % | 93 % | 85,5 % | 83 % |
| Dünnschicht (CdTe) | 97 % | 91,5 % | 83,5 % | 81 % |
Moderne Module degradieren mit etwa 0,3–0,5 % pro Jahr nach einer anfänglichen Degradation (LID/LeTID) von 1–3 % im ersten Jahr. Eine Anlage liefert nach 25 Jahren noch typischerweise 85–92 % ihrer Nennleistung. Liegt der reale Wert deutlich darunter, sollten Sie einen Fachmann hinzuziehen – möglicherweise liegt ein Defekt vor oder die Leistungsgarantie greift.
Fazit: Wartung lohnt sich
Regelmäßige Wartung und Monitoring sind der Schlüssel zu einer langlebigen und ertragreichen PV-Anlage:
- Monitoring aktivieren und monatlich Erträge prüfen – das kostet nichts und erkennt Probleme früh.
- Sichtprüfung zweimal jährlich vom Boden aus durchführen.
- Reinigung nur bei sichtbarer Verschmutzung – übertriebene Reinigung schadet mehr als sie nützt.
- Elektrische Prüfung alle 4 Jahre durch eine Fachkraft durchführen lassen.
- Garantiebedingungen kennen und Wartung dokumentieren.
- Versicherung prüfen und PV-Anlage beim Versicherer anmelden.
Eine gut gewartete Anlage erreicht problemlos ihre prognostizierte Lebensdauer von 25–30+ Jahren und erwirtschaftet über die gesamte Laufzeit deutlich mehr als eine vernachlässigte Anlage.
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