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PV-Wettervorhersage: Wie Wetterdaten Ihren Solarertrag vorhersagen

PV-Wettervorhersage verstehen: Welche Wetterdaten den Solarertrag bestimmen, wie Prognosemodelle arbeiten, wie genau sie sind und wie Sie davon profitieren.

~13 Min. Lesezeit Von Solantiq Redaktion

PV-Wettervorhersage: Wie Wetterdaten Ihren Solarertrag vorhersagen

Der Blick auf die Wetter-App sagt „sonnig” – aber was heißt das in Kilowattstunden? Zwischen Wetterbericht und Solarertrag liegt ein Stück Physik: Strahlung, Bewölkung, Temperatur und sogar Saharastaub bestimmen, was Ihre Anlage morgen liefert. Dieser Artikel erklärt, wie aus Wetterdaten eine PV-Prognose wird, wie genau sie ist und wie Sie sie im Alltag gewinnbringend nutzen.

Welche Wetterdaten den Ertrag bestimmen

Globalstrahlung: die Hauptzutat

Die Globalstrahlung – die gesamte auf eine Fläche treffende Sonnenenergie – ist der mit Abstand wichtigste Faktor. Moderne Wettermodelle sagen sie direkt als Stundenwert voraus (GHI, Global Horizontal Irradiance). Faustregel: Ein Strahlungswert von 800–1.000 W/m² bedeutet nahezu Volllast für die Anlage, 100–200 W/m² (bedeckter Himmel) nur noch 10–20 % der Nennleistung.

Bewölkung: der größte Unsicherheitsfaktor

Wolken entscheiden über den Unterschied zwischen Spitzentag und Flaute:

HimmelszustandTypische Leistung (Anteil der Nennleistung)
Wolkenlos90–100 % (mittags, gute Ausrichtung)
Schleierwolken (Cirrus)70–90 %
Lockere Quellwolken40–80 %, stark schwankend
Geschlossene Wolkendecke20–40 %
Dunkle Regenwolken10–20 %

Auch bei dichter Bewölkung fällt der Ertrag nie auf null: Diffusstrahlung – an Wolken und Atmosphäre gestreutes Licht – macht im deutschen Jahresmittel rund die Hälfte der gesamten Einstrahlung aus (mehr zu Wetter und Solarertrag).

Temperatur: kühl schlägt heiß

Solarmodule mögen es kalt: Pro Grad Zelltemperatur über 25 °C sinkt die Leistung um 0,3–0,4 % (Temperaturkoeffizient). An einem 35-°C-Sommertag erreichen Module schnell 60–70 °C Zelltemperatur – das kostet 12–18 % Leistung. Deshalb liefern klare, kühle Frühlingstage oft mehr als Hitzetage im August, und deshalb gehört die Temperaturvorhersage in jede seriöse PV-Prognose.

Schnee, Nebel und Saharastaub

Drei Spezialfälle, die Prognosen schwer machen:

  • Schnee auf den Modulen drückt den Ertrag auf nahezu null – rutscht bei geneigten Dächern aber oft binnen Stunden ab (Solarertrag im Winter)
  • Nebel und Hochnebel sind im Oktober bis Dezember der Hauptgrund für Prognosefehler: Ob sich die Suppe mittags auflöst, entscheidet über den halben Tagesertrag
  • Saharastaub legt sich mehrmals pro Jahr über Mitteleuropa und kostet 5–25 % Ertrag – moderne Strahlungsmodelle berücksichtigen die Aerosol-Vorhersage inzwischen

Vom Wettermodell zur kWh-Prognose

Eine PV-Ertragsprognose entsteht in drei Schritten:

  1. Numerisches Wettermodell: Modelle wie das ICON des Deutschen Wetterdienstes oder das europäische ECMWF berechnen aus Millionen Messwerten die Atmosphäre der nächsten Tage – inklusive Globalstrahlung als direktem Ausgabewert. Für die nächsten Stunden verfeinern Anbieter wie Solcast die Vorhersage zusätzlich mit Echtzeit-Satellitenbildern (Nowcasting).
  2. Umrechnung auf die Anlage: Aus der horizontalen Strahlung wird die Einstrahlung auf Ihre geneigte Modulfläche berechnet – abhängig von Ausrichtung, Neigung und Sonnenstand.
  3. Ertragsmodell: Modulwirkungsgrad, Temperaturverluste, Wechselrichter- und Leitungsverluste machen daraus die erwartete Einspeiseleistung pro Stunde.

Fertige Tools nehmen Ihnen alle drei Schritte ab – ein Vergleich der kostenlosen Angebote steht im Ratgeber Solarprognose kostenlos.

Wie genau ist die Vorhersage?

PrognosehorizontTypische AbweichungVerlässlichkeit
Nächste 1–4 Stunden (Nowcasting)±5–10 %sehr hoch
Morgen±10–15 %hoch
Übermorgen±15–25 %mittel
Tag 4–7±20–30 %nur Tendenz

Zwei Wetterlagen bleiben notorisch schwierig: sommerliche Quellbewölkung, bei der einzelne Wolkenfelder im Minutentakt über die Anlage ziehen, und Hochnebellagen im Spätherbst, bei denen sich die Auflösung um Stunden verschieben kann. Bei stabilen Hochdrucklagen trifft die Prognose dagegen oft auf wenige Prozent genau.

Die Prognose gewinnbringend nutzen

  • Stromfresser timen: Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine laufen in den prognostizierten Sonnenstunden – der einfachste Hebel zur Eigenverbrauchsoptimierung.
  • E-Auto mit Überschuss laden: Wer weiß, dass morgen ab 11 Uhr 5 kW Überschuss anliegen, lädt gezielt dann (Wallbox & PV) – statt nachts teuren Netzstrom zu ziehen.
  • Dynamische Tarife ausreizen: Viel Sonne im Netz bedeutet niedrige Börsenpreise. Die Kombination aus PV-Prognose und dynamischem Tarif verschiebt den Restbezug in die günstigsten Stunden.
  • Speicher intelligent steuern: Vor einem prognostizierten Sonnentag darf der Speicher leer in den Morgen gehen; vor einer Schlechtwetterfront lohnt das Vorladen im günstigen Nachtfenster (Planung mit Prognose).
  • Wartung erkennen: Liegt der Ist-Ertrag wiederholt deutlich unter der Prognose, stimmt etwas nicht – Verschattung, Verschmutzung oder ein Defekt (PV-Minderertrag analysieren).

Fazit: Wetterwissen wird zu Geld

Die PV-Wettervorhersage übersetzt Meteorologie in Kilowattstunden – und die ist inzwischen so gut, dass sich Alltagsentscheidungen zuverlässig darauf stützen lassen. Wer Verbraucher, Speicher und E-Auto nach der Prognose taktet, holt ohne einen Cent Investition mehrere Prozentpunkte Eigenverbrauch heraus.

Wichtige Erkenntnisse:

  • Globalstrahlung ist der Schlüsselwert – Wolken kosten 10–90 %, Hitze weitere 12–18 % an Extremtagen
  • Prognosen für morgen treffen auf ±10–15 % genau; Nowcasting für die nächsten Stunden noch deutlich besser
  • Schwierig bleiben Quellbewölkung und Herbstnebel – planen Sie Automationen mit Puffer
  • Den größten Nutzen bringt die Prognose bei Lastverschiebung, Speichersteuerung und dynamischen Tarifen

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